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Quelle: cts

Automatisierte Tradition

Die Erlebnissennerei Zillertal aus Mayrhofen hat über 70 Jahre Erfahrung in der Milchveredelung. Der Familienbetrieb verarbeitet dabei ausschließlich Heumilch, einen Rohstoff mit langer Tradition. Die Arbeitsweise der Sennerei ist hingegen auf der Höhe der Zeit und die Aufgaben laufen heute größtenteils automatisiert ab. Allerdings entsprach das Prozessleitsystem des Unternehmens zuletzt nicht mehr den Anforderungen. Der Automatisierungsexperte cts wurde deshalb mit der Modernisierung des gesamten Systems beauftragt – von der Planung bis zur letzten Klemme. Die Herausforderung dabei: Die eigentliche Umstellung erfolgte komplett an nur einem Wochenende.

Das Team des Unternehmensbereichs Prozessautomatisierung von cts unterstützt die Erlebnissennerei Zillertal bereits seit einigen Jahren und war ursprünglich Backup-Betreuer des zu dieser Zeit genutzten Foxboro-Systems. Im Zuge dessen entstanden erste Überlegungen über ein System-Upgrade und einen möglichen Wechsel zu PCS 7 mit der Übernahme der bestehenden Foxboro-Automatisierung. Auch über eine Realisierung in Teilen wurde diskutiert. „Als dann der endgültige Bedarf da war, haben wir gemeinsam entschieden: Wenn wir’s machen, dann machen wir’s auf einmal. Nicht nur eine Umstellung oder ein bisschen Modernisierung – sondern alles“, erzählt Andreas Mitmannsgruber von cts, Projektleiter und ‚Programmierer‘ bei diesem Projekt. „Das alte System war technisch und organisatorisch an seine Grenzen gekommen. Wir wussten, wenn wir das sauber auf neue Beine stellen wollen, dann so, dass wir unserem Kunden eine zukunftssichere Lösung aufbauen – dokumentiert, betreubar und langfristig tragfähig.“

Strukturiertes Umstellungsprojekt auf PCS 7

Im Rahmen eines strukturierten Umstellungsprojekts sollte das Foxboro-System der Sennerei durch ein PCS 7-System ersetzt und dieses hochgerüstet werden. Die Planung und Umsetzung der kompletten prozessautomatisierungstechnischen Umstellung übernahm cts: „Unsere Aufgabe war es, die bestehenden Anlagen zu erneuern und zu modernisieren – technisch, aber auch funktional“, erklärt Florian Nähring von cts, Bauleiter bei diesem Projekt. „Das heißt: Wir programmieren die Software neu, entwickeln die Fließbilder im Prozessleitsystem komplett neu und übertragen die bestehenden Funktionen in eine aktuelle, stabile Systemumgebung.“ Eine zentrale Anforderung dabei: Die neuen Oberflächen sollten so gestaltet werden, dass sie für die Maschinisten vertraut wirken: „So vermeiden wir, dass die Bediener sich auf eine komplett neue Umgebung einstellen müssen – das reduziert den Schulungsaufwand und Übergangsprobleme“, führt Andreas Mitmannsgruber aus. Um den laufenden Betrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen, sollte zudem die eigentliche Umstellung komplett an einem Wochenende während eines geplanten Shutdowns erfolgen. Dazu zählen der Schaltschrankumbau, die Software-Inbetriebnahme und Signaltests. Hinzu kommen Schrittketten, neue kontinuierliche Logiken, neue Visualisierung und neue Dokumentation. Das Ziel: Am Montag sollte alles laufen wie zuvor, aber unter zukunftsfähigen Voraussetzungen – ohne Kompromisse bei Sicherheit, Hygiene und Qualität.

 

Stabil und zukunftssicher

Mit Ausnahme von wenigen ausgewählten Arbeiten, die nicht automatisiert werden können oder sollen, wie beispielsweise das Portionieren und Verpacken der Butter, umfasst das System der Sennerei alle Prozesse: „Wir reden hier über den kompletten wertschöpfenden Weg – von der Anlieferung bis zum Käsefertiger“, beschreibt Andreas Mitmannsgruber. „Das heißt konkret: Milch wird angenommen, beziehungsweise abgelegt, eingelagert, im Rohmilchlager vorgehalten, dann zentrifugiert und pasteurisiert. Danach wird sie eingelagert, vorbereitet – als Rahm, Butter oder Sahne. Dort entsteht auch der Rohstoff für die Käsefertiger.“ Das Herzstück dieses Systems ist die Steuerung: „Wenn etwas nicht läuft – sei es die Erhitzung, die Reinigung oder die Dosierung – dann steht der Prozess“, betont Andreas Mitmannsgruber. „Und weil wir in einem sensiblen Umfeld arbeiten, geht es nicht nur ums Laufen, sondern um Wiederholbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit.“ Die Modernisierung dieses Systems sollte dafür sorgen, dass es stabil und langfristig betreut werden kann. Dazu gehört beispielsweise konkret, dass Ersatzteile zukünftig wieder leichter und günstiger zu bekommen sind. Außerdem sollte alles für eine bessere Bedienbarkeit vereinheitlicht werden und es sollte möglich sein, in Zukunft weitere Prozessverbesserungen umzusetzen, um körperlich schwere oder gefährliche Arbeiten weiter zu reduzieren.

cts liefert Gesamtpaket

Die Erlebnissennerei Zillertal hatte für diese herausfordernde Aufgabe bewusst den Komplettanbieter cts als Modernisierungspartner gewählt: „Uns war von Anfang an wichtig, dass wir einen Partner haben, der das Gesamtpaket liefern kann – von der Planung über das Material, also etwa Kabel oder Schaltschränke, bis hin zur Hardware, Software und Umsetzung vor Ort“, sagt Heinrich Kröll, Geschäftsführer der Erlebnissennerei Zillertal. „Wir wollten auf keinen Fall zum Koordinator zwischen mehreren Gewerken werden. Irgendwer muss sich sonst immer um die Schnittstellen kümmern – und das wären am Ende wahrscheinlich wir gewesen. Deshalb war für uns klar: Einer muss den Hut aufhaben. Und cts konnte genau das leisten.“ Bei der geplanten Modernisierung war es zudem von Vorteil, dass cts vollständig herstellerunabhängig agiert und auf jahrzehntelange Erfahrung sowohl mit dem Foxboro-System als auch mit PCS 7 zurückgreifen konnte. „Wenn man so etwas in drei Tagen umstellen will, muss man das alte System wirklich durchdringen“, erläutert Andreas Mitmannsgruber. „Man muss es sozusagen 1:1 nachbauen‘ – mit allen Funktionen. Sonst funktioniert es nicht.“

 

 

Planung, Entwicklung und Vorbereitung ab Ende 2024

Entscheidend für die große Umstellung des Systems war auch eine gute Vorbereitung, die bereits Ende 2024 mit der Entwicklung der Software und der Planung der Hardware startete. Von Anfang an fanden dabei alle Arbeiten in enger Abstimmung mit dem Kunden statt: „Wir wurden durchgehend proaktiv über den Fortschritt informiert. Das hat uns Sicherheit gegeben“, erzählt Heinrich Kröll. In einem ersten Schritt machten sich die cts-Mitarbeiter zunächst gemeinsam mit Monteuren eines Partnerunternehmens mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut und besichtigten die Anlage. Remote IOs, Klebeetiketten und das restliche Zubehör wurden per LKW aus Burgkirchen an der Alz, dem Hauptsitz der cts, nach Mayrhofen gebracht. „Die RIOs wurden bei uns im Schaltschrankbau in Burgkirchen vorbereitet, und speziell angepasst auf die hier vor Ort geltenden Anforderungen“, erzählt Florian Nähring. „Die Schaltschränke stehen in Hygienebereichen – aus Edelstahl, mit lebensmittelechten Dichtungen und komplett abgedichtet. Sie müssen keimfrei bleiben, deshalb kann dort auch nicht jeder einfach ran. Es hat auch nicht jeder einen Schlüssel, was die Zugänglichkeit bewusst einschränkt.“ Die insgesamt vier neuen Remote IOs waren für die Installation an unterschiedlichen Stationen in der Anlage vorgesehen: im Tanklager, im Bereich für Butter, Joghurt und Rahm, im CIP-Raum für die Reinigung und im Maschinenraum.

Umsetzung und Vorbereitung für den Stichtag

Im Frühling 2025 starteten die ersten Arbeiten in der Sennerei vor Ort: Dabei gingen die Verantwortlichen zunächst nach R&I-Schema die einzelnen Messstellen durch, identifizierten sie und beklebten sie mit neuen Etiketten. „Das hilft uns beim späteren Kabelziehen – und entspricht auch dem Wunsch des Betriebs, die gesamte Beschriftung der Messstellen sauber und einheitlich zu gestalten“, erklärt Florian Nähring. „Zwei bis drei Kollegen waren zu diesem Zeitpunkt bereits direkt in der Umsetzung. „Parallel dazu liefen die Vorbereitungen für den Stichtag. Dann wird vom RIO aus ins Feld verdrahtet – zu Ventilen, Temperatur- oder Druckmessgeräten. An den RIOs selbst lassen sich viele Kabel schon im Vorfeld anschließen. Die finalen Anschlüsse am Feldgerät erfolgen aber erst am Umstellungstag. Dann wird alles verbunden, ein Loop Check durchgeführt – und wenn das durchläuft, geht’s direkt weiter.“

Erfolgreiches Umsetzungswochenende

Das Wochenende mit dem geplanten Shutdown bereitete cts intensiv vor: Das System wurde auf einem Testsystem vorab in Betrieb genommen, alle Signale simuliert und die Software getestet. An einem Wochenende im September 2025 war es dann so weit. Die Umstellung erfolgte in einem sehr eng gesteckten, aber durchdachten Zeitfenster: „Der letzte LKW kam am Freitag, der erste wieder am Montag – dazwischen hatten wir Zeit für die komplette Demontage des alten MCCs (Main Control Center), die Installation der neuen Hardware, den Anschluss aller Feldgeräte und die Inbetriebnahme“, berichtet Andreas Mitmannsgruber. Florian Nähring ergänzt. „Wir haben dann mit 35 Leuten in Tag- und Nachtschicht gearbeitet. Freitag, Samstag, Sonntag wurde alles angeschlossen.“ Mit Erfolg: Als die Milch am Montagmorgen wieder angeliefert wurde, liefen die Prozesse in der Erlebnissennerei Zillertal wie gewohnt.

 

Aufmacherfoto: Erlebnissennerei Zillertal

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