Markt
Quelle: VMB

Art. 148 GMO

Die Diskussion um den Art. 148 GMO spaltet weiterhin die Milcherzeugerschaft. Nach den bisherigen  EU-Beschlüssen (Ergebnis des Trilogs vom März 2026 sowie der Zustimmung des Agrarausschusses im Europäischen Parlament vom April), die eine Ausweitung der Vertragspflicht beinhalten,  stehen jetzt die Konsultationen auf nationaler Ebene an, wie die Umsetzung in der Praxis erfolgen soll. Während eine deutliche, davon um so überzeugtere  Minderheit unter den Milcherzeugern unvermindert in einer konsequenten Anwendung des Art. 148 GMO mit Milchpreis. Laufzeit, Qualität und Menge eine Stärkung der Marktposition der Milcherzeuger sieht, kann dies der größere, aber schweigende Teil der Milcherzeuger nach wie vor nicht erkennen. Ungeachtet der unterschiedlichen politischen Positionen sprechen allerdings die Fakten eine recht deutliche Sprache beim Blick auf die Milchpreise und auch die Erzeugungsmengen.

Der Verband der Milcherzeuger Bayern e.V. (VMBV) hat bereits im Oktober 2025 darüber berichtet, dass in den vergangenen bereits 13 (!) EU-Länder den Art. 148 (alte Fassung) angewandt haben https://www.milchbauernservice.de/news/news-detail/art-148-gmo-in-13-eu-laendern-bereits-in-anwendung.
Jetzt hat der Milchindustrie-Verband (MIV) gemeinsam mit AgriData die EU-Milchauszahlungspreise in den vergangenen 10 Jahren zusammengetragen: In den 13 EU-Ländern mit “Vertragspflicht (alte Fassung) und den 13 EU-Ländern ohne “Vertragspflicht (alte Fassung), zu denen auch Deutschland, Österreich, Irland, Niederlanden usw., zu zählen sind.

Das Ergebnis ist eindeutig: Nur im Jahr 2023 waren in den “vertragspflichtigen” EU-Ländern die Milchauszahlungspreise höher, wohingegen der deutlich sichtbare positive Peak in 2022, auch infolge des Ausbruches des Ukraine-Konfliktes mit drastisch gestiegenen Kosten, auch in massiv ansteigenden Milchauszahlungspreisen seinen Niederschlag fand: Um fast 6 ct/kg waren die Milchpreise in den EU-Ländern mit Vertragsflexibilität in 2022 höher als dort, wo recht starre Vorgaben dies verhinderten – bei natürlich ebenso stark ansteigenden Kosten. Das Plus bei den Milchpreisen reichte somit von 0,89 ct/kg bis zu bereits genannten 5,8 ct/kg, im Schnitt also um mehr als 2 ct/kg und Jahr zugunsten der Länder mit Vertragsflexibilität.

Und nicht nur bei den Milchpreisen ist das Ergebnis eindeutig, dass eine Vertragspflicht sogar Nachteile für die Milcherzeugerseite verursacht hat. Auch der Blick auf die erzeugten Milchmengen, die ja seit Herbst 2025 ebenso im Fokus stehen, gibt ein ernüchterndes Bild ab. Die Mengenfestlegung nach Art. 148 GMO (alte Fassung) funktioniert dabei nur leidlich beim monatlichen Blick auf die Anlieferungslinien des “Vorzeige-Art.-148-GMO-Landes” Frankreich! Aber auch Polen hat nicht nur in den letzten Monaten, sondern seit Ende der Quotenregelung ziemlich Gas gegeben bei der Expansion seiner Milcherzeugung. Der Blick auf die regelmäßigen Auswertungen auf der VMB-Website https://www.milchbauernservice.de/news/news-detail/eu-milchanlieferung-februar-2026 bekräftigen diese Aussage eindrucksvoll.

Die Frage stellt sich auf der Grundlage dieser Erhebung also einmal mehr: Wo kein Mehrwert, sondern sogar nur Mindererlöse, Kosten und Bürokratie zu erwarten sind, warum dann an der bisherigen Vorgehensweise überhaupt etwas ändern. Der Freiwilligkeit und Kreativität bei der Vertragsgestaltung sind wären ja keine Grenzen gesetzt.

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