Der weltweite Handel mit Milchprodukten wächst weiterhin stetig um rund 2 % pro Jahr, doch die Dynamiken verschieben sich laut einem neuen Bericht und der „World Dairy Map“ von RaboResearch. Europa bleibt der führende Exporteur, verliert jedoch allmählich Marktanteile an Nord- und Südamerika, während die nachlassende Nachfrage aus China die Handelsströme in Richtung anderer Schwellenmärkte umlenkt. Gleichzeitig treibt Käse das Wachstum über alle Produktkategorien hinweg an, und die USA sowie Argentinien sind zunehmend in der Lage, das künftige Angebot zu bestimmen.
Das Handelswachstum hält an, während sich die globalen Handelsströme neu ausbalancieren
Der weltweite Handel mit Milchprodukten hat seinen langfristigen Wachstumskurs beibehalten und ist in den letzten Jahren um durchschnittlich rund 2 % pro Jahr gewachsen. Das Volumen erreichte im Jahr 2025 mehr als 100 Milliarden kg in Flüssigmilchäquivalenten – gegenüber 91,1 Milliarden im Jahr 2017 –, was ein stetiges strukturelles Nachfragewachstum widerspiegelt.
Die Qualität dieses Wachstums verändert sich jedoch. Die EU bleibt mit einem Anteil von rund 27 % am Welthandel der größte Exporteur, doch ihr Anteil ist seit 2017, als er noch bei knapp 30 % lag, allmählich zurückgegangen. Unterdessen gewinnen Exporteure in Nord- und Südamerika stetig an Boden, insbesondere die USA, Argentinien und Uruguay.
„Der weltweite Handel mit Milchprodukten wächst weiterhin in einem robusten Tempo, doch das Kräfteverhältnis verschiebt sich“, sagt Tom Booijink, Senior Dairy Specialist bei RaboResearch. „Wir beobachten eine allmähliche Umverteilung der Exportanteile weg von Europa hin zu wettbewerbsfähigeren und weniger eingeschränkten Produzenten in Nord- und Südamerika.“
China bleibt der weltweit größte Importeur, doch seine Rolle verändert sich. Die Importe sind gegenüber ihrem Höchststand im Jahr 2021 deutlich zurückgegangen, was auf die steigende inländische Produktion und eine schwächere Nachfrage in wichtigen Produktkategorien zurückzuführen ist. „Exporteure richten ihren Blick zunehmend auf alternative Wachstumsmärkte, darunter Südostasien, den Nahen Osten und Brasilien“, fügt Booijink hinzu.
Käse dominiert das Wachstum, während Molke an strategischer Bedeutung gewinnt
Die Entwicklung in den verschiedenen Milchproduktkategorien ist sehr unterschiedlich, wobei Käse eindeutig als Hauptmotor des Handelswachstums hervorsticht. Der weltweite Käsehandel ist seit 2017 um rund 40 % gestiegen, gestützt durch eine konstante Nachfrage sowie strategische Investitionen in Verarbeitungskapazitäten. „Käse ist zum unbestrittenen Wachstumsmotor des weltweiten Milchhandels geworden“, stellt Booijink fest. „Sein starkes Wertversprechen ermutigt Verarbeiter weltweit, mehr Milch in die Käseproduktion zu lenken.“
Gleichzeitig gewinnt Molke an Bedeutung – nicht in Bezug auf das Volumen, sondern auf den Wert. Die steigende Nachfrage nach Protein, angetrieben durch Sporternährung, Gesundheitstrends und den zunehmenden Einsatz von Medikamenten zur Gewichtsreduktion, treibt die Preise in die Höhe und erhöht die strategische Relevanz für die Branche.
Andere Segmente weisen eine eher uneinheitliche Entwicklung auf. Der Butterhandel verzeichnete im Jahr 2025 einen starken Anstieg, der vor allem auf einen deutlichen Anstieg der US-Exporte zurückzuführen war, während die Milchpulvermärkte relativ verhalten blieben, was auf ein langsameres Nachfragewachstum und sich verändernde Exportanteile der wichtigsten Lieferanten zurückzuführen ist.
USA und Argentinien als Wachstumsmotoren der Zukunft
„Der weltweite Handel mit Milchprodukten dürfte seinen langfristigen Trend von rund 2 % jährlich fortsetzen“, sagt Booijink. „Die entscheidende Frage ist, welche Regionen dieses Wachstum decken können.“
Die Produktion in Europa wird zunehmend durch regulatorischen Druck, Nachhaltigkeitsaspekte und strukturelle Herausforderungen wie eine alternde Landwirtsbevölkerung eingeschränkt. Daher dürfte die Fähigkeit zur Steigerung der Produktion begrenzt bleiben.
„Die Zukunft des Wachstums im Milchhandel hängt zunehmend davon ab, wer zusätzliche Milch liefern kann“, so Booijink. „Derzeit stechen die USA und Argentinien als die fähigsten und wettbewerbsfähigsten Regionen hervor, um die steigende weltweite Nachfrage zu decken.“
Umfangreiche Investitionen in Verarbeitungskapazitäten – insbesondere im Bereich Käse – in Verbindung mit günstigen Produktionsbedingungen stärken die Rolle dieser Länder bei der Gestaltung künftiger Handelsströme.