Markt
Quelle: BVE

BVE: Leichtes Umsatzplus dank Export

 

Die deutsche Ernährungsindustrie hat im Jahr 2025 nach vorläufigen Zahlen erstmals seit drei Jahren wieder ein leichtes reales Umsatzplus erzielt. Mit einem Zuwachs von nominal 3,9 Prozent, was real 0,2 Prozent entspricht, konnte die Branche die Rezession der Vorjahre knapp hinter sich lassen. Das Wachstum beruht dabei auf dem Exportgeschäft, während der Inlandsmarkt real weiterhin rückläufig blieb. Das zeigen die vorläufigen Jahreszahlen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Mit 6.082 Betrieben (+1,8 Prozent), 659.605 Beschäftigten (+2,3 Prozent) und einem Jahresumsatz von rund 241,8 Milliarden Euro ist die Ernährungsindustrie inzwischen der drittgrößte Industriezweig Deutschlands. Auch europaweit nimmt die Branche eine Spitzenstellung ein und ist gemessen an Umsatz und Beschäftigung die größte Ernährungsindustrie innerhalb der Europäischen Union.

Export trägt Wachstum – Inlandsmarkt bleibt unter Druck

Das reale Umsatzplus im Jahr 2025 ist auf das Auslandsgeschäft zurückzuführen. Der Export legte nominal um 9 Prozent, preisbereinigt um 3,9 Prozent zu und entwickelte sich damit deutlich besser als in vielen anderen Industriebranchen.
Demgegenüber musste das Inlandsgeschäft erneut Einbußen hinnehmen. Der nominale Umsatz stieg zwar um 1,0 Prozent, der preisbereinigte Umsatz sank aber um 1,9 Prozent. Damit setzt sich die Schwäche des Binnenmarkts fort und unterstreicht die anhaltenden strukturellen Herausforderungen am Standort Deutschland.
Die herausfordernde Lage spiegelt sich auch in der Investitionstätigkeit wider. In den vergangenen Jahren ist es in der Ernährungsindustrie zu einem spürbaren Abbau des Kapitalstocks gekommen – stärker als im gesamten verarbeitenden Gewerbe und auch stärker als in den energieintensiven Industrien.

Blitzumfrage: Standortbewertung weiterhin negativ

Diese Einschätzung wird durch die aktuelle BVE-Blitzumfrage zur konjunkturellen Lage der Ernährungsindustrie bestätigt, an der 98 Lebensmittel- und Getränkehersteller teilgenommen haben. Demnach sehen 81 Prozent der befragten Unternehmen eine Verschlechterung der Standortbedingungen in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren überbordende Bürokratie, fehlende Planungssicherheit, hohe Kosten am Standort sowie ausbleibende Reformen haben den Standort Deutschland in den letzten Jahren deutlich unattraktiver gemacht.

Bei der Investitionsneigung gab es im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Verbesserung: 20 Prozent wollen die Investitionen am Standort Deutschland in den nächsten 2 bis 3 Jahren (real) erhöhen, 40 Prozent wollen sie in gleicher Höhe fortsetzen, während 34 Prozent sie reduzieren und 6 Prozent auf unbestimmte Zeit komplett einstellen wollen. Bei der Vorjahresbefragung wollten nur 10 Prozent ihre Investitionen erhöhen und 43 Prozent reduzieren.

Besonders kritisch bewerten die Unternehmen die Bereiche Regulierung und Bürokratie, Steuern und Abgaben, Energiepreise sowie Arbeits- und Lohnstückkosten. Allerdings attestieren viele Hersteller dem Standort Deutschland weiterhin ein grundsätzlich gutes Absatzpotenzial.

Politischer Rückenwind und Vertrauen in die eigene Stärke

BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff sieht im Exportgeschehen ein deutliches positives Anzeichen: “Unsere Unternehmen haben 2025 gezeigt, wie leistungsfähig sie sind: Trotz Trump-Zöllen und trotz Afrikanischer Schweinepest konnten die Exporte deutlich zulegen. Food Made in Germany ist wieder ein starkes Qualitätssiegel.”

Auch in der Bundespolitik herrsche eine neue, kooperative Haltung. “Die Politik spricht wieder mit der Wirtschaft und nicht über sie. Sie versteht sich wieder als Türöffner für neue Märkte – vom Bundeskanzler über den Außenminister bis hin zu Ernährungsminister Alois Rainer, der unsere Branche von der Pike auf kennt und sich für die Ernährungsindustrie in Berlin, in Brüssel, in China und dort einsetzt, wo wir neue Marktchancen brauchen”, so Christoph Minhoff.

 

 

 

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