Bildquelle: Hohenloher Molkerei
Unternehmen
Quelle: moproweb.de

Ein Jahr der Rekorde

 

Anlässlich der Generalversammlung der Hohenloher Molkerei eG am 30. Juni in Wolpertshausen wertete Geschäftsführer Martin Boschet (Foto: Hohenloher Molkerei) das Abschneiden der Genossenschaft in 2025 mit diesen Worten: „Höchste Milchverarbeitungsmenge, höchster Umsatz, höchste Bilanzsumme, mit einer der höchsten Milchauszahlungspreise in Deutschland und das zum wiederholten Male in Folge, höchste Mitarbeiterzahl und damit ein wichtiger Arbeitgeber in der Region, keine Entlassungen sondern Neueinstellungen und nicht zuletzt ein Investitionsprogramm um die Zukunft zu gestalten. Wir haben uns besser geschlagen als viele Wettbewerber.“

Dennoch müsse sich das Unternehmen permanent die Frage stellen, ob seine Strategie noch passt. Die Hohenloher Molkerei hat ein eher schmales Sortiment, stellte Boschet fest, in den Kernsegmenten Konsummilch, Butter und auch immer stärker bei Sauermilchgetränken schaffe die vorhandene Größe Schlagkraft, Schnelligkeit und auch Wendigkeit.

Aktuell scheinen Unternehmen mit einem sehr viel breiteren Portfolio aber besser aufgestellt zu sein, in unruhigen Zeiten sicher ein Vorteil, wenn man von allem etwas anbieten kann. Größe und Breite habe jedoch den Nachteil der Komplexität, je größer ein Unternehmen und je größer das Produktsortiment ist, desto schwieriger wird es, fokussiert und agil zu bleiben.

Die Hohenloher Molkerei sei aufgrund ihrer Größe und ihres Standortes jedenfalls nicht in der Lage, sich in ganz vielen Geschäftsfeldern zu tummeln und weltweit zu vermarkten. „Wir können ganz einfach morgen keine Käserei oder Quarkerei bauen, nur weil es gerade boomt“, erklärte Boschet.

Eingehend auf die aktuelle wirtschaftliche Lage sagte Boschet, dass Deutschland im Grunde ein totaler Sanierungsfall sei, das Land benötige den Geist und die Kraft der Erneuerung. „Ich erwarte von unserer Bundesregierung mehr Mut zur Veränderung, es müssen an vielen Stellen alte Denkmuster über Bord geworfen werden. Mit Sicherheit müssen unsere Sozialsysteme reformiert werden, es muss der Boden für Wirtschaftswachstum gelegt werden, für Investitionen in Deutschland, aus meiner Sicht muss auch die Rolle der EU mit einem unglaublichen Bürokratie- und Regulierungswahn endlich sehr kritisch hinterfragt werden. Aktuell sei hier die PPWR genannt“, so Boschet wörtlich. Selbst wenn von staatlicher Seite entbürokratisiert wird, drohe die Gefahr, dass in den industriellen Ketten neue Bürokratie und immer weitere Verschärfungen entstehen. Ganz am Ende werde dann nicht die Frage stehen ob Milch und Fleisch auf dieser Welt produziert wird, sondern wo dies geschieht.

Geschäftsentwicklung der Hohenloher Molkerei 2025

Vor dem Hintergrund massiver Marktturbulenzen bezeichnete Boschet die Geschäftsentwicklung der Hohenloher Molkerei im Jahr 2025 als ausgesprochen solide und erfolgreich.

In Schwäbisch Hall wurde eine Rekordmenge von 459,4 Millionen Kilogramm Milch verarbeitet. Das entspricht einem Zuwachs von 2,9 % oder 13 Millionen Kilogramm im Vergleich zum Vorjahr. Diese Milch stammte von den 737 angeschlossenen Milcherzeugern.

Umsatzseitig konnte die Genossenschaft um 5,9 %, das sind 20,8 Millionen Euro mehr, auf 372,81 Mio. € zulegen. Dieser Anstieg resultierte aus der höheren Verarbeitungsmenge und den über weiten Teilen des Jahres noch guten Erlösmöglichkeiten.

Der voll erwirtschaftete Milchpreis für das abgelaufene Geschäftsjahr lag im Durchschnitt aller Milchqualitäten bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß bei brutto 59,02 Cent/kg inkl. 7,8 % Mehrwertsteuer. Netto entsprach dies 54,75 Cent/kg bei 4,2 % Fett. Bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß lag der konventionelle Milchpreis im Durchschnitt aller Qualitäten bei 54,21 Cent/kg netto. Für Biomilch betrug der Standardmilchpreis der Hohenloher Molkerei bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß netto 66,25 Cent/kg, dies entspricht brutto 71,42 Cent/kg.

Absatzzahlen

H-Milch und Milchmischgetränke

Der Absatz bei H-Produkten hat sich um 2,2 Mio. kg oder moderaten 0,8 % auf 267,1 Mio. kg reduziert. Die Produktionsmengen bei Frischmilch „länger haltbar“ und bei Milchfrischprodukten haben sich erneut um 4,9 % bzw. 3,4 Mio. kg auf 74 Mio. kg erhöht. Am stärksten ist Kefir gewachsen. Er legte um 55 % in der Absatzmenge zu.

Butter, Sahneprodukte und Joghurt

Der Butterabsatz hat sich 2025 um 12,9 % oder 1.377 t auf 12.089 t stark erhöht. Der Absatz von frischer Schlagsahne und Sauerrahm-erzeugnissen hat sich in Summe reduziert. Der Absatz von Joghurtprodukten erhöhte sich um 4,4 %.

Versandmilch

Das Versandmilchgeschäft wurde aufgrund größerer Milchmengen, die uns zur Verfügung standen, ausgeweitet. Insgesamt gingen 75,9 Mio. kg Milch (inkl. Konzentrat) in den Versand. Insgesamt waren das 12,8 Mio. kg oder 20,3 % mehr als im Vorjahr.

Vegane Produkte

Nachdem die Hohenloher Molkerei im Jahr 2023 mit der Herstellung von Haferdrinks gestartet ist, konnte der Absatz im Jahr 2025 um weitere 15,6 % gesteigert werden. Aktuell ist ein Wachstum aber nur noch über neue Listungen möglich was angesichts eines sehr harten Wettbewerbs auch in diesem Bereich nicht ganz einfach ist, stellte Boschet fest.

Investitionen

Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeiten lag im Erwerb neuer Abfülltechnologie für H-Milch und dazugehöriger Palettieranlagen, damit sind hier alle Investitionen im Zusammenhang mit Tethered Cap abgeschlossen. Eine neue UHT-Anlage mit bis zu 24.000 Liter Stundenleistung ersetzt eine Anlage die nun über 25 Jahre im Einsatz war. Daneben wurde der Fuhrpark mit insgesamt 8 neuen LKW´s planmäßig erneuert, darunter 2 neue Milchsammelwagen.

Vermögens- und Ertragslage 2025

Die Bilanzsumme der Hohenloher Molkerei stieg in 2025 auf 138,5 Millionen Euro. Besonders hervorzuheben ist ich die Entwicklung des Eigenkapitals. Es hat die historische Marke von exakt 100 Millionen Euro erreicht. Damit weist das Unternehmen eine Eigenkapitalquote von herausragenden 72,21 % aus.

Bilanzkennziffern

Aktivseite

Das Anlagevermögen wird mit 35,4 Mio. Euro ausgewiesen. Die Vorräte hatten zum Stichtag einen Wert von 6,8 Mio. Euro. Die liquiden Mittel betrugen 56,9 Mio. Euro und lagen damit deutlich über dem Vorjahresniveau.

Die Bilanzsumme liegt mit 138,5 Mio. Euro um 7,9 Mio. Euro oder 6 % über dem Vorjahr.

Passivseite

Auf der Passivseite betragen die Geschäftsguthaben der Mitglieder 14,5 Mio. Euro. Einschließlich Ergebnisrücklagen in Höhe von 83,3 Mio. Euro und dem Jahresüberschuss von 8,2 Mio. Euro, liegt das Eigenkapital nun bei 100 Mio. Euro und damit um 8 Mio. Euro über dem Vorjahresniveau.

Ausblick auf das Jahr 2026

Der Jahresstart 2026 war extrem schwierig, so Boschet: „Wir sehen uns mit einer wahren Milchflut konfrontiert“. Bei der Hohenloher Molkerei liegt die Anlieferung bereinigt um Zugänge und damit vergleichbar bis Mai 2026 bei 6,95 % über dem Vorjahr.

Boschet dazu: „Für diese nicht prognostizierten, gewaltigen Mehrmengen reichen die klassischen Absatzkanäle für Konsummilch in Europa schlichtweg nicht aus. Wir sind gezwungen, diese Mehrmengen über die Spotmärkte abzusetzen. Die Mengen gehen leider sehr deutlich über die Prognosen hinaus die auch wir in den vergangenen Jahren getätigt haben.“

Parallel zu stark gesunkenen Erlösen gehen die Kosten für Logistik durch gestiegene Dieselpreise, Kosten für Verpackungsmaterial in Folge des Iran-Konfliktes sowie Allgemein- und auch Lohnkosten weiter nach oben. Die Hohenloher Molkerei agiert proaktiv gegen die multiple Krise. „Wir stoppen unsere Investitionen nicht, wir wägen alle Entscheidungen in den Gremien, insbesondere im Vorstand sehr sorgfältig ab und handeln, denn abwarten hat einen noch nie nach vorne gebracht. Es muss unser Ziel sein die Effizienz in den betrieblichen Abläufen zu verbessern um am Ende insbesondere durch eine noch höhere Automatisierung Kosten zu sparen“, sagte Boschet.

Der Neubau des Maschinenraums soll Ende 2026 plangemäß in Betrieb gehen, zumindest in einen Teilbetrieb. Die Butterei wird um eine Abpackmaschine erweitert um mehr betriebliche Sicherheit zu generieren und um in saisonalen Spitzenzeiten schlagkräftiger agieren zu können. Für 2027/2028 werden Lagerflächenerweiterungen projektiert, um künftig noch flexibler agieren zu können. Im Bereich Sauermilchgetränke wird im kommenden Jahr eine neue 8-bahnige praktisch aseptische Abfülllinie in Betrieb gehen.

 

 

Verwandte Artikel

Unternehmen

Ausgezeichnet

Molkerei Gropper erhält erneut „TOP 100-Innovationspreis“....
Sortiment

Kollagenhaltige Kaffee-Drinks

Ehrmann launcht gemeinsam mit dem Berliner Unternehmen Glow25 zwei neue...
Unternehmen

Rekordumsatz erzielt

Hochwald-Gruppe berichtet über das Geschäftsjahr 2025...
Länderbericht

Milchpreisvereinbarung für Norditalien

48 bis 50 Cent vereinbart...
Länderbericht

Moderne Mopro-Lösungen

Weißrussisches Institut arbeitet an funktionalen Produkten...
Unternehmen

Milliardär kauft Mopro-Lager

Kanadischer Standort ist langfristig an Lactalis vermietet...
Nach oben scrollen