MIV-Vorsitzender Dr. Karl-Heinz Engel (rechts), Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser (links) und Geschäftsführer Michael Brandl wandten sich gegen nationale Alleingänge (Foto: mi)
„Wir befinden uns in turbulenten Zeiten. Ein Auf und Ab bei den Milchpreisen, ähnlich wie bei Getreide und Schweinefleisch, wird es auch in Zukunft geben", stellte der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes e.V. (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, auf einer Pressekonferenz am Rande der diesjährigen MIV-Jahrestagung am 22. Oktober in München fest. „Derzeit stabilisieren sich die Produktpreise deutlich, was sich mittelfristig positiv auf den Milchpreis auswirken dürfte", so Engel.
Der größte Bereich der deutschen Ernährungsindustrie konnte 2008 einen leichten Umsatzzuwachs auf 22,3 Mrd. € verbuchen, in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres brach dieser jedoch um fast 17 % ein. Auch der Exportwert von rund 4,8 Mrd. € aus den Vorjahren dürfte in 2009 bei einem bis Juli aufgelaufenen Rückgang um rund 15 % nicht mehr aufzuholen sein, obgleich die Mengenentwicklungen (z. B. Käse + 7,3 %) in Teilen des Sortiments nach oben zeigen. Einen weiteren Grund für den Rückgang der Umsätze sieht der Verband in der schlechten Nachfrage der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie nach Milcherzeugnissen.
Märkte abgestürzt
Nach der Preisrallye 2007/2008 sind die Märkte in 2009 regelrecht abgestürzt. "Hier müssen auch seitens der Milchindustrie Instrumente geschaffen werden, um einen besseren Ausgleich zwischen Hoch- und Tiefpreisphase zu ermöglichen. Dem Risikomanagement wird in der Zukunft besondere Bedeutung zufallen, nachdem die Brüsseler Kommission viele Marktordnungselemente gestrichen hatte", so Engel.
Da die Milchanlieferung im ersten Halbjahr 2009 um 4,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum lag und der Konsum bis auf Butter je nach Produkt zwischen 0,5 % und knapp 5 % zurück ging, folgerte MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser: „Schwache Absatzmengen multipliziert mit Dauertiefstpreisen können keine hohen Milchpreise ergeben … Für die nächsten Monate sind wir leicht optimistisch, Euphorie ist allerdings nicht angesagt."
Politik darf den eingeschlagenen Weg nicht verlassen
„Derzeit liegen rund 2 % der EU-Milch in den Lagern. Die EU-Kommission muss Fingerspitzengefühl bei der Auslagerung beweisen, indem die Rückführung dieser Mengen ohne Marktstörung erfolgt", forderte Engel .
Die Stützungsmaßnahmen für die Milcherzeuger werden vom MIV begrüßt. „Das Festhalten am beschlossenen Ausstieg aus der Milchquote gibt den zukunftsorientierten Milcherzeugern Planungssicherheit. Richtig war es , durch niedrige Milchpreise entstandene Liquiditätsengpässe zu überbrücken", so Engel weiter. „Dieser Weg darf von der Politik nicht verlassen werden. Für eine erfolgreiche Arbeit der Molkereien sind eindeutige und gelebte politische Rahmenbedingungen mit marktwirtschaftlicher Prägung hilfreicher als die Auseinandersetzung mit rückwärts gerichteten Diskussionen, die Ansätze einer Renationalisierung und Rückkehr zur gerade aufgegebenen Planwirtschaft in sich tragen", fordert der MIV-Vorsitzende – „Wir haben alle zusammen viel Zeit mit der Diskussion um nicht erfüllbare Vorschläge verloren."
Für die Zukunft erhoffen sich die Unternehmen der deutschen Milchindustrie von der neuen Bundesregierung und der EU-Kommission Stabilität und Verlässlichkeit. Auch dürfe es keine nationalen Alleingänge Deutschlands geben: „ Sonderwege würden unsere Wirtschaftskraft zu Gunsten der Mitbewerber aus den EU-Nachbarländern schwächen", stellt der MIV-Vorsitzende heraus.
Preise
Langfristig forderte Heuser eine „30-30" Vision: Deutschland sollte sich als Ziel setzen, 30 Mrd. Kg Milch zu 30 Cent zu vermarkten. Ebenfalls längerfristig wird sich das Preisniveau wohl auf eine nachhaltige Ebene von um die 27 Cent einstellen, glaubt Heuser. MIV-Voristzender Engel sieht insgesamt bis 2015 keine Gefahr, dass Deutschland die zur Verfügung stehende Quote nicht beliefern können wird, auch wenn es regionale Wanderungen beim Rohstoff geben wird.Im Moment, so Engel, erweist sich Milchfett international als Preismotor – dieser Entwicklung müssten nun die Abgabepreise an den Handel folgen.
Aktuell, war im Umfeld der MIV Jahrestagung zu erfahren, sollen die H-Milchangabepreise in der laufenden Runde mit dem Handel um 7-9 Cent angehoben werden.