Das Foto zeigt Minister Frank Kupfer (links) bei der Übergabe
des Fördermittelbescheids an Dr. Matthias Trauzettel und Uwe Lammeck (re.)
Der Sächsische Staatsmister für Umwelt und Landwirtschaft, Frank Kupfer hat dem
Vorstandsvorsitzenden der Heinrichsthaler Milchwerke GmbH, Radeberg, Dr.
Matthias Trauzettel und Geschäftsführer Uwe Lammeck einen Fördermittelbescheid über
rund 2 Mio. € übergeben. Die Heinrichsthaler Milchwerke wollen insgesamt 8,2
Mio. Euro in ein Logistik-Zentrum und den Ausbau der Produktion investieren.
Langfristig sieht Trauzettel das
Unternehmen mit 140 Mio. kg Jahresverarbeitungsmenge bei 125 Mio. Euro Umsatz
hervorragend aufgestellt.
„Die Heinrichsthaler Milchwerke sind eine echte
Genossenschaft, wo die Milcherzeuger als Eigentümer die Zukunft des
Unternehmens mitgestalten", sagte Trauzettel auf einer Pressekonferenz am
4.November in Radeberg.
Gastro-Schiene
Sowohl national wie international zählt die Heinrichsthaler
Milchwerke GmbH inzwischen zu den wichtigsten Käselieferanten für Catering,
Hotellerie und Gaststättengewerbe. „Genau dieser Absatzkanal verzeichnet in
jüngerer Zeit stark steigende Umsätze", sagte Geschäftsführer Uwe Lammeck. Zwar
sei der Export in den letzten drei Jahren auf 40% gesunken, vor allem aufgrund
der Währungsabwertung um 30% in den
Zielstaaten, aber die Exportzahlen besserten sich wieder deutlich und
kontinuierlich. „Wir wollen 70% Exportanteil
erreichen", so Lammeck. Durch den Ausbau des Exports nach Europa und
Asien will der Unternehmer unabhängiger vom schwankenden Preisniveau des
deutschen Marktes werden. Oberstes Ziel ist die Realisierung eines
kostendeckenden Preises für die Gesellschafter. Dem mittelständischen
Unternehmen mit 200 Mitarbeitern ist gelungen, wovon viele andere Käsereien nur
träumen: unter der Marke Vallée d‘
Henri werden auch Erzeugnisse nach
Frankreich geliefert, einem Markt mit bekannt anspruchsvollen Kunden und großer
Käse-Vielfalt.
„Vorbei die Zeit der Einlagerung beim Spediteur, der rasant
wachsende Käseabsatz macht ein neues,
eigenes Lager mit 7000 Palettenplätzen notwendig", so Lammeck. Ein neues
Salzbad und eine neue Packstraße
ergänzen das ambitionierte Vorhaben, das zu 25% aus Mitteln des Bundes
und des Freistaates kofinanziert wird.
Keine Insellösungen
Minister Kupfer rief die Handelspartner dazu auf, die
Preisdumpingspirale endlich zu beenden, damit das Überleben der Landwirte
gesichert werden kann.
Auf die Frage, ob das Bayrische Landwirtschaftsmodell
Vorbild für Sachsen und andere Bundesländer werden kann, wie vom Bayrischen
Landwirtschaftsminister gewünscht, antwortete Kupfer: „Internationalisierung
und Globalisierung sind unumkehrbar. Daher bringen Insellösungen nichts. Es ist
wesentlich klüger, die Kosten weiter zu senken und auf Strukturverbesserung zu
setzen. Die Molkereiwirtschaft in Sachsen ist besser aufgestellt als im übrigen
Bundesgebiet". Den Milcherzeugern empfahl Kupfer verstärkt Zusammenschlüsse zu suchen um Kosten zu
senken und Rücklagen bilden zu können.
Lammeck unterstrich „Wir müssen uns dem Markt stellen. Die Intervention
ist zwar bis 28.02.2010 verlängert worden, aber dies hilft nur vorübergehend.
Die Zeiten der Marktregulierung und Quotierung sind endgültig vorbei."
Pioniere
Bekannt geworden sind die Heinrichsthaler Milchwerke durch
die erstmalige Produktion von Camembert und Brie in Deutschland im Jahre 1884.
„Das Unternehmen produziert heute jährlich dank weiterer Milchzukäufe über
35.000 t Käse. Die 67 Milcherzeuger aus Sachsen sind alle nach DIN/ISO
zertifiziert", berichtete der Vorstandsvorsitzende Dr. Trauzettel, der
hauptberuflich als Veterinär die Landwirte unterstützt.
Die Heinrichsthaler Milchwerke feiern im nächsten Jahr ihr
130jähriges Firmenjubiläum. Neuester Hit des gleichermaßen auf Tradition und
Innovation setzenden Unternehmens ist der Radeberger Bierkäse, ein Schnittkäse
mit Bierhefe, der ab 1.12.2009 produziert und ab01.01.2010 im Handel erhältlich
sein wird.
Sonnenstrom
Die cleveren Käser aus Heinrichsthal sind aber nicht nur
beim Käse höchst innovativ, „durch den Einsatz der Umkehrosmose wird der
Wasserverbrauch entscheidend gesenkt; mit Hilfe der Stromproduktion aus
Photovoltaik wird die Molkerei zum Energie-Unternehmer. Gleichzeitig wird ein
Beitrag zum Klimaschutz geleistet", betonte Lammeck, dessen Unternehmen auch
Mitglied der Sächsischen Umweltallianz ist, einer Initiative des früheren Landwirtschaftsminister Stanislaw
Tillich, der gerade wieder zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Th. Kützemeier, www.mcongressconsult.de