Am 29.12.09 fand sich diese Wirtschaftsglosse von ChristophRottwilm im manager magazin, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.
Schlauer Bauer
Endlich wieder ein Rückblick! Diesmal: Wer hat im Kampfgegen die Krise eigentlich am meisten Humor bewiesen? Schon wieder Herr zuGuttenberg? Nein. Am Ende des Tages ist doch niemand schlauer als der deutscheBauer.
Wer wirklich Wichtiges zu berichten hat in diesen Tagen, dertut das in Form eines Rückblicks. Die besten Manager, die tollsten Erfolge -die dümmsten Entscheidungen, die größten Pleiten. So was eben.
Klar, dass wir da keine Ausnahme machen können. Unser Themalautet: Von wem kam in der Krise bisher eigentlich die originellste Idee zurLösung wirtschaftlicher Probleme?
Ja, wir wissen es: Die Schar der Kandidaten ist gewaltig. Wirhaben aber eine Vorauswahl getroffen.
Karl-Theodor Freiher von und zu Guttenberg etwa ist darunter.Der unvermeidliche, allgegenwärtige Herr zu Guttenberg. Im Mai regte er an,Opel in die "geordnete Insolvenz" zu entlassen. In die geordneteInsolvenz. Inzwischen, da dem Adelsmann endlich alle Informationen zurVerfügung gestellt wurden, dürfte eine Neubewertung nicht mehr lange auf sichwarten lassen.
Und Peter Sodann, Tatort-Kommissar und in der Geschichtebislang kuriosester Anwärter auf das Amt des Bundespräsidenten. Vom Wahlkampfüberfordert sinnierte der Oststar öffentlich über eine Lösung der Finanzkrise. Seinnaheliegender Gedanke: Er würde gerne mal Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermannverhaften.
Diese beiden Vordenker gilt es noch zu toppen. Und dasschaffen nach unserer Meinung nur: die Milchbauern.
Im "Stern" erschien vor einiger Zeit eindoppelseitiges Bild, auf dem sehr viele Trecker mit Anhängern auf einem Ackerzu sehen waren. Aus den Anhängern spritzte eine weiße Flüssigkeit. Der"Stern" schrieb, Bauern würden nahe der belgischen Stadt Ciney etwadrei Millionen Liter Milch wie Gülle auf ihre Felder kippen, wegen des Verfallsder Milchpreise. Allein in Deutschland, hieß es, fürchten 80 Prozent der100.000 Milchbauern, ihre Ställe dichtmachen zu müssen. Wie man weiß, habendeshalb auch hierzulande schon viele Bauern ihre Milch weggekippt.
So einen klugen Ansatz hatte man den Bauern gar nichtzugetraut: Sie setzten offensichtlich darauf, dass das Vernichten von Milch ingroßen Mengen dazu führt, dass die Milchpreise wieder steigen. Und zwar sosehr, dass 80.000 von 100.000 Milchbauern ihre Ställe wieder öffnen können.
Das Beispiel macht schon Schule. Die Autobranche etwabefindet sich ja gerade in Auflösung, weil der Bund keine Abwrackprämien mehrverschenkt. Jetzt sollen Neuwagen verschrottet werden, um die Preise nach obenzu schrauben.
Die Verlage sind ebenfalls aufgewacht. Auch dieserWirtschaftszweig geht bekanntlich den Bach runter. Jetzt bietet sich eineKooperation an: Die Bauern kippen ihre Milch auf frische Zeitungen. Davonprofitieren beide.
Am meisten jubelt aber das notleidende Geldgewerbe. Mansieht es vor sich: 2010 im Kanzleramt. 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft undSociety. Knallende Korken, Hummer, schöne Frauen (Peter Sodann wurde nichteingeladen).
"Schön, dass das wieder geklappt hat", sagtAckermann im Morgengrauen, die Hand schon am Mantel. "Und vergessen Sienicht: Wir brauchen mehr Unterstützung, sonst geht die Misere nie vorbei."
Merkel nippt an der Schaumweintulpe: "Die Milliardenmüssen reichen."
Darauf Ackermann (macht eine Drohgebärde mit einem seinerGeburtstagspräsente): "Ich warne Sie, wir können das Geld auch aus demFenster werfen."