Lewis Akenji von der Agrarfakultät der Universität Helsinki stellt in Frage, dass nachhaltig produzierte Lebensmittel zwangsläufig mehr kosten. Wenn die externen Kosten für die Umwelt berücksichtigt werden, so Akenji, schneiden nachhaltige Lebensmittel in jedem Fall besser ab. Heute sei der Markt auf den Kopf gestellt, Verbraucher mit ethischer Haltung müssten mehr für unter ethischen Bedingungen hergestellte Produkte bezahlen und würden damit bestraft. Parallel würden Hersteller, die weniger nachhaltig agieren, vollumfänglichen Zugang zu den Handelsregalen erhalten. Akenji plädiert dafür, nicht oder weniger nachhaltige Produkte im Supermarkt entsprechend zu kennzeichnen.
Akenji, der auch die NGO SEED leitet (nach eigener Darstellung eine globale Partnerschaft zur Förderung nachhaltiger Entwicklung und der Green Economy), räumt ein, dass Veränderungen nicht mit Zwang wie etwa einem Kaufboykott bewirkt werden können. Die seit 1977 initiierten Boykottaufrufe gegen Nestlé im Zusammenhang mit aggressiver Werbung für Säuglingsmilchen hätten keine oder nur kurzfristige Wirkung gezeigt, Nestlé habe seine Marktstellung trotz der Proteste weiter ausgebaut. Nachhaltigkeit sei inzwischen ein „Hygiene“-Faktor für Markenartikel geworden, der ohne Mehrpreis geliefert wird und per se auch keinen besonderen Wettbewerbsvorteil mehr entfaltet, so Akenji.