Am 10. Juni 2026 beginnen die Tarifverhandlungen der bayerischen Milchwirtschaft für ca. 19.000 Beschäftigte. Marktumfeld, extrem hohe Milchmengen, abgestürzte Butter- und Käsepreise, fallende Milchpreise, jüngste Lohnentwicklungen sowie u. a. weiterhin hohe Energiekosten, stellen die bayerischen Milchwirtschaftsbetriebe vor große Herausforderungen.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Entgelttarifverträge gekündigt und fordert in der diesjährigen Tarifrunde eine Entgelterhöhung von 4,1% – bei einer tarifvertraglichen Laufzeit von 12 Monaten, eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um EUR 80,00 sowie „eine zusätzliche Zahlung im Wert von 5 Arbeitstagen zur flexiblen Nutzung dauerhaft pro Jahr“.
Mit den aufgestellten Tarifforderungen verkennt die NGG die gesamtwirtschaftliche Realität und die Tatsache, dass sich die Unternehmen weiterhin in einem schwierigen Marktumfeld bewegen, so die Arbeitgeberverband der Bayrischen Ernährungswirtschaft e.V. Die überwiegend mittelständisch strukturierte bayerische Milchwirtschaft hätten bereits mit den Tarifabschlüssen im Juni 2023 -bei einer Laufzeit von 12 Monaten- und zuletzt im August 2024 kaum tragbare Tariflohnsteigerungen umgesetzt.
„Der Tarifabschluss der bayerischen Milchwirtschaft im Juni 2023 hat die Grenze der Belastbarkeit für die Branche überschritten. Reallohnverluste der Beschäftigten bei einer Inflation i. H. v. 5,93 % im Kalenderjahr 2023 haben wir mit einer Tariflohnerhöhung von ca. 8,9 % überkompensiert. Darüber hinaus haben wir mit einer tariflich vereinbarten Inflationsausgleichszahlung in Höhe von EUR 1.800,00.- die Auswirkungen der Inflation für die Beschäftigten der bayerischen Milchwirtschaft sehr stark abgeschwächt. Mit dem im Kalenderjahr 2024 folgenden Tarifabschluss haben die Unternehmen der bayerischen Milchwirtschaft weitere EUR 1.100,00 als Inflationsausgleich an ihre Beschäftigten gezahlt und darüber hinaus die Tarifentgelte im KJ 2024 um EUR 200,00.- sowie im KJ 2025 um weitere 3,2% erhöht. Tarifliche Lohnsteigerungen dieser Größenordnung in dieser, aber auch kommenden Tarifrunden, kann die Branche nicht verkraften, dies gilt umso mehr angesichts der derzeit vorherrschenden gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, so Matthias Oettel, CEO der Meggle Holding SE.
Die Unternehmen sehen sich derzeit mit extrem hohen Milchmengen konfrontiert, welche die Verarbeitungskapazitäten der bayerischen Milchwirtschaft bei deutlich übertreffen. Dieser Mengendruck führte für die Unternehmen der bayerischen Milchwirtschaft zu einem harten Preiskampf mit dem Lebensmitteleinzelhandel, der die Butter- und Milchproduktpreise Ende 2025 massiv absenkte. Die Margen der Unternehmen schrumpfen hierdurch drastisch. Dieses Überangebot drückt auch den Milchpreis schmerzhaft und führt zu einer Verringerung der Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 0,20 € pro Kilogramm/Milch. Eine Entspannung dieser Situation ist nicht in Sicht.
Zudem ist die Verunsicherung der Verbraucher in den Unternehmen der bayerischen Milchwirtschaft spürbar, insbesondere bei den Markenherstellern und Biobetrieben. Der Konsum geht zurück, der Verbraucher weicht weiterhin auf günstigere Handelsmarken aus. Dies spiegelt sich in den Umsatz- und Absatzzahlen der Unternehmen wider.
„Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern haben wir als Unternehmen die bisherigen Herausforderungen  bewältigt und die Versorgung der Bevölkerung mit Milch- und Molkereiprodukten sicherstellen können. Im Vergleich zu vielen anderen Branchen, die Mitarbeiter entlassen und Betriebe schließen, stehen wir für stabile Beschäftigungsverhältnisse. Wir sehen uns dennoch mit weiterhin hohen Fixkosten, insbesondere Energie und Logistik, konfrontiert, gleichzeitig weist die Branche derzeit ein nicht mehr zu bewältigendes Überangebot am Rohstoff Milch auf. Diese Situation muss ein Tarifvertrag berücksichtigen“, so Dr. Thomas Obersojer, Vorstandsvorsitzender der Bayerische Milchindustrie eG.
Der Arbeitgeberverband der Bayrischen Ernährungswirtschaft e.V. vertritt und fördert die arbeits- und sozialrechtlichen Interessen der Arbeitgeber der bayrischen Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft und verhandelt u. a. die Tarifverträge für die Milchwirtschaft in Bayern.