Tom Fairbairn ist ein erfahrener Systemarchitekt, der als „Distinguished Engineer” bei Solace arbeitet. Er unterstützt Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen bei der Konzeption, Architektur und Implementierung ereignisgesteuerter Integrationslösungen. Tom Fairburn hat einen Master-Abschluss in Elektrotechnik von der University of Southampton (Foto: Solace)
Tom Fairbairn, Distinguished Engineer bei Solace, erläutert, wie agentenbasierte KI in Verbindung mit Echtzeit-Datenübertragung Unternehmen dabei hilft, die unternehmensweiten Auswirkungen von Krisen in der Lieferkette zu bewältigen und fundierte Entscheidungen bei Lieferkettenstörungen zu treffen, die immer mehr zur neuen Normalität werden.
Die seit Langem angedrohte Sperrung der Straße von Hormus – einer der weltweit verkehrsreichsten Öltransportrouten – nennt Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur, „die größte Lieferunterbrechung in der Geschichte des globalen Ölmarkts“. Doch da Engpässe an Land, zu Wasser und in der Luft weltweit immer mehr zunehmen, lässt sich kaum abschätzen, wie lange das noch so bleiben wird.
Bei der angespannten Lage in der Straße von Hormus geht es um mehr als nur die Ölversorgung: Nach Angaben der Vereinten Nationen wird rund ein Drittel der weltweit eingesetzten Düngemittel über die Straße von Hormus transportiert. Für die Landwirtschaft hätte die Sperrung zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt passieren können. Denn der Frühling ist in weiten Teilen der nördlichen Hemisphäre die Aussaatzeit. Wenn die Landwirte jetzt weniger Düngemittel einsetzen, wird sich das negativ auf die Ernten in diesem Jahr auswirken.
Und auch Helium ist betroffen, ein wichtiger, aber oft übersehener Rohstoff. Schätzungen des U.S. Geological Survey zufolge wird rund ein Drittel der weltweiten Heliumvorräte in Katar gewonnen und über die Straße von Hormus transportiert. Als Nebenprodukt von Erdgas spielt Helium eine entscheidende Rolle bei der Halbleiterherstellung. Eine anhaltende Verknappung hätte einen Rückgang der Mikrochip-Produktion zur Folge, was sich wiederum auf Computer, Smartphones, Fahrzeuge und entscheidend auf MRT-Geräte auswirken würde.
Die neue Realität der Lieferkettenstörungen
Erinnern Sie sich noch an die Krisen um den Panamakanal und den Suezkanal vor wenigen Jahren, durch die der weltweite Handel zum Erliegen kam? Die bittere Realität ist, dass Lieferkettenstörungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft mittlerweile an der Tagesordnung sind und dass große wie kleine Unternehmen damit zurechtkommen müssen.
Denn natürlich ist nicht nur die Schifffahrt betroffen. Nadelöhre gibt es überall. Dazu gehören Flugkorridore wie die „Gulf Skies“ am Persischen Golf und der schmale Korridor zwischen Armenien und Aserbaidschan. Da über diese Strecken ein Großteil des Verkehrs zwischen Europa, Asien und dem Golf abgewickelt wird, können sie jederzeit zu Flaschenhälsen werden. An Land sind es die großen Drehkreuzflughäfen wie Hongkong und Dubai, die zu Störungen in den Lieferketten führen können, wenn ihre Kapazität plötzlich durch Wetterbedingungen oder logistische Probleme eingeschränkt ist – ganz zu schweigen von geopolitischen Störungen.
Berücksichtigt man zudem die massiven Auswirkungen der seit April 2025 andauernden Zollkriege, ist davon auszugehen, dass es solche Engpässe auch künftig immer wieder geben wird.
Intelligente „Was-wäre-wenn“-Analysen können helfen, Störungen der Handelswege zu umgehen
Diese Engpässe in der Lieferkette machen deutlich, dass Untätigkeit für Unternehmen das größte Risiko darstellt. Und doch ist Untätigkeit ihre einzige Option, solange ihnen die notwendigen Lieferdaten fehlen, um effektive Maßnahmen zu ergreifen.
Unternehmen, die sich nicht anpassen, sind strukturell anfälliger für den nächsten Schock, noch bevor sie sich von dem vorherigen vollständig erholt haben.
Eine Batchverarbeitung und -planung über Nacht reicht einfach nicht aus. Unternehmen erhalten damit nicht die notwendigen Erkenntnisse, um zu erkennen, wie der einzelne Container auf dem Schiff ihre Liefertermine, ihre Umsatzprognosen und ihren Cashflow beeinflusst – oder wie sich diese Veränderungen entlang der Lieferkette auswirken.
Unternehmen benötigen vollständig integrierte und digitalisierte Lieferketten, die in Echtzeit relevante Informationen bereitstellen. Nur so können sie Ressourcen umverteilen und Kosten steuern, sobald sich die Datenlage ändert. Alle Bereiche – von der Ressourcenplanung über das Transportmanagement, die Lagerhaltung und die Logistik bis hin zum Finanzwesen – müssen in die Lage versetzt werden, zeitnah zu handeln, zu reagieren und Was-wäre-wenn-Szenarien zu analysieren. Das setzt den Zugriff auf geschäftskritische Datenquellen voraus.
Die aktuellen Krisen führen uns deutlich vor Augen, dass wir in einer ereignisgesteuerten Welt leben. Deshalb ist nur eine ereignisgesteuerte Plattform in der Lage, solche Herausforderungen zu bewältigen und die Flut an Daten sinnvoll zu interpretieren.
Hier kommt der Echtzeit-Datentransfer ins Spiel: Er basiert auf einer ereignisgesteuerten Plattform, die Datensilos beseitigt und dafür sorgt, dass aktuelle Daten in allen Systemen eines Unternehmens konsistent verfügbar sind. Dadurch können Entscheidungsträger jederzeit und überall direkt auf die benötigten Daten zugreifen.
So können sich Unternehmen flexibel neu ausrichten
Betrachten wir das Beispiel eines Containerschiffs, das mit Tausenden von Produkten beladen ist. Mit einem isolierten Ansatz beim Daten-Streaming können Unternehmen keine ganzheitliche Sicht auf die Dominoeffekte in ihrer gesamten Lieferkette gewinnen. Moderne Event-Broker-Technologie spielt hier eine entscheidende Rolle, um Probleme zu vermeiden, die durch unerwartete Veränderungen bei Angebot oder Nachfrage verursacht werden.
KI-Agenten gehen noch einen Schritt weiter. Dank der Echtzeit-Datenübertragung in Verbindung mit agentenbasierter KI kann ein KI-Agent nicht nur jeden Container auf dem Schiff einsehen, sondern auch die gesamte Lieferkette überblicken, einschließlich der Verfügbarkeit von Lagerbeständen in anderen Regionen. Mit minimalem menschlichen Eingreifen modelliert der KI-Agent dann alternative Szenarien, um Aufträge über andere realisierbare Routen oder Liefermechanismen zu erfüllen.
Die entscheidende Zutat: flexible Entscheidungen
Die Fähigkeit, Transportrouten und Planungen bei Bedarf automatisch flexibel anzupassen, entscheidet wesentlich darüber, wie gut Unternehmen die Kundenerwartungen bei bestehenden Aufträgen erfüllen können und wie sie es langfristig schaffen, Lieferkettenstörungen aufzufangen.
Mit Echtzeit-Datenübertragung und agentenbasierter KI können sie jederzeit aktuelle Daten nutzen, um fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen und wesentlich schneller auf dynamische Marktbedingungen zu reagieren.
Der Einsatz moderner ereignisgesteuerter Technologien birgt ein enormes Potenzial, Engpässe in Geschäftsprozessen zu vermeiden und Störungen im Waren- und Datenfluss zu bewältigen. Ein leistungsstarkes Agent-Mesh verteilt Ereignisse dynamisch an KI-Agenten, unabhängig von der Art der Anwendung oder der Kapazität des Standorts. Dadurch werden Entscheidungen „im Handumdrehen“ ermöglicht, die eine optimale Auftragsabwicklung gewährleisten und negative Auswirkungen auf die Kundenbeziehung vermeiden.
Durch den Einsatz agentischer KI in Verbindung mit Echtzeit-Datenübertragung können Unternehmen die Auswirkungen globaler Störungen in der Lieferkette abmildern. Umsetzbare Echtzeit-Erkenntnisse verschaffen ihnen dabei einen Vorsprung vor ihren Mitbewerbern.