Die europäischen Pulvermärkte haben sich deutlich erholt, angeführt von einem starken Preisanstieg bei MMP. Trotz höherer Produktion haben steigende Exporte dazu beigetragen, zusätzliche Mengen aufzunehmen, während die Preise ihren höchsten Stand seit 2022 erreichten. Der schwindende Preisvorteil Europas rückt zudem die internationale Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus.
Laut DCA Market Intelligence lag der Preis für MMP in Lebensmittelqualität am 10. September bei 3.205 € pro Tonne, was einem Anstieg von 9,6 % gegenüber dem Vormonat und 44,4 % im Jahresvergleich (YoY) entspricht. Der Preis für MMP in Futtermittelqualität stieg auf 3.225 € pro Tonne (+41,1 % YoY) und lag damit leicht über dem Preis für MMP in Lebensmittelqualität. Auch im Molkenkomplex setzten sich die starken jährlichen Zuwächse fort: Süßmolkenpulver für Lebensmittel und Futtermittel lag mit 1.880 € bzw. 1.750 € pro Tonne um 79 % bzw. 94,4 % über dem Vorjahresniveau. Laktose notierte bei 1.670 € pro Tonne (+59 % im Jahresvergleich).
Vollmilchpulver (VMP) blieb die wichtigste Ausnahme von den starken jährlichen Zuwächsen. Mit 3.750 Euro pro Tonne lagen die Preise um 5,2 % über dem Vormonat, blieben jedoch um 1,3 % unter dem Vorjahresniveau.
Die MMP-Produktion übertrifft das Wachstum des Milchangebots
Bis Juli folgte die europäische Milchproduktion einem Aufwärtstrend und stellte mehr Rohstoffe für die Verarbeitung bereit. Deutschland erreichte 20,16 Millionen Tonnen (+6,4 % im Jahresvergleich), während Frankreich 14,66 Millionen Tonnen (+2,2 %) produzierte. Auch in den Niederlanden (+4,5 %) und Polen (+3,1 %) stieg die Produktion an, während Irland mit 5,80 Millionen Tonnen (-0,4 %) stabiler blieb.
MMP scheint besonders von dem zusätzlichen Milchangebot profitiert zu haben. Die EU-Produktion stieg im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,7 % auf 865.019 Tonnen. Deutschland produzierte 218.020 Tonnen (+15,7 %), während auch Polen (+21,6 %) und Irland (+19,4 %) stark zulegten. Im Gegensatz dazu ging die niederländische Produktion um 7,0 % zurück. Dieses Wachstum spiegelte sich jedoch nicht auf dem gesamten Pulvermarkt wider, da die Produktion von Milch- und Rahmpulver ohne MMP um 3,4 % zurückging, was auf eine unterschiedliche Verteilung auf die verschiedenen Pulverströme hindeutet.
Bei Molkenpulver ist die Produktion eng mit der Käseherstellung verbunden, da Molke ein Nebenprodukt ist. Die Käseproduktion in der EU stieg im ersten Halbjahr um 3,5 % auf 5,20 Millionen Tonnen, was zu einer höheren Molkenverfügbarkeit beitrug. In Deutschland, wo direkte Daten für Molkenpulver vorliegen, stieg die Produktion um 5,3 % auf 193.170 Tonnen.
EU-Milchpulverhandel legt zu, angeführt von MMP
Der EU-Milchpulverhandel hat in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 an Dynamik gewonnen. Der Handel mit MMP stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,5 % auf 286.920 Tonnen innerhalb der EU und um 10,6 % auf 367.628 Tonnen außerhalb der EU. Deutschland blieb mit 89.922 Tonnen (+11,8 %) der größte Lieferant innerhalb der EU, während Frankreich um 31,3 % auf 51.790 Tonnen und Polen um 35,3 % auf 19.662 Tonnen zulegten. Beim Handel außerhalb der EU lag Belgien mit 70.803 Tonnen an der Spitze, gefolgt von Deutschland mit 66.222 Tonnen (+21,8 %) und Frankreich mit 62.469 Tonnen (+16,4 %).
Alle Abb.: DCA Market Intelligence