Private-Label-Konzepte haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Was als anonyme „No-Name“-Alternative im Preiseinstiegssegment begann, ist heute ein strategisches Instrument mit Markenanspruch.
Die anhaltende Wirtschaftsschwäche und die hohen Lebensmittelpreise stärken die Nachfrage nach Eigenmarken. Laut der Studie „Private Label Power in Western Europe“ von NielsenIQ haben 89 Prozent der europäischen Verbraucher ihr Einkaufsverhalten im vergangenen Jahr angepasst. In Deutschland greifen 52 Prozent der Haushalte überwiegend oder fast ausschließlich zu Eigenmarken, für 51 Prozent sind sie sogar die erste Wahl.
Eigenmarken stehen dabei längst nicht mehr nur für günstige Alternativen, sondern für ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis und wachsende Innovationskraft. Rund 70 Prozent der Food-Innovationen in Westeuropa gehen laut NielsenIQ auf ihr Konto. Besonders dynamisch entwickelt sich das Bio-Segment. Wie die Bio-Markt-Studie 2025 von Rüschen & Nitsche zeigt, erreichen Eigenmarken einen Marktanteil von rund 67 Prozent und wachsen mit 13 Prozent deutlich stärker als Bio-Markenprodukte, die um sechs Prozent zulegen.
Während Markenhersteller angesichts steigender Beschaffungskosten und Vorwürfen der „Gierflation“ unter Druck geraten, positionieren sich Eigenmarken zunehmend als strategische Gewinner. Laut Ipsos-Handelsmarkenmonitor 2025 decken 97 Prozent der Befragten mit günstigen Handelsmarken, insbesondere ihren Grundbedarfs. Damit schaffen klassische Einstiegsmarken im Preiseinstiegssegment finanzielle Spielräume für höherwertige oder nachhaltige Alternativen. Denn trotz gestiegener Preissensibilität legt rund die Hälfte der Verbraucher weiterhin Wert auf eine nachhaltige und ethische Lebensmittelproduktion. Besonders dynamisch entwickeln sich daher laut Yougov differenzierte Premiumlinien wie „Rewe Feine Welt“, „Edeka Selection“, „K-Favourites“, „Lidl Deluxe“ oder „Aldi Gourmet“. Sie setzen auf hochwertige Rohstoffe, Bio-Qualität, besondere Rezepturen oder nachhaltige Verpackungslösungen, um anspruchsvolle Zielgruppen mit entsprechender Zahlungsbereitschaft anzusprechen.