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Quelle: Roland Berger

Hohe Ansprüche

Schwankende Rohstoffpreise, ein beschleunigter Strukturwandel, wachsender Margendruck im Commodity-Geschäft und der technologische Wandel durch Künstliche Intelligenz verändern die Spielregeln der Branche grundlegend, heißt die Kurzfassung eines 6-Punkte-Pakets. Im Detail:
1. Extreme Milchpreisschwankungen und hohe Kostenbelastung.
Die Preise für Milch unterliegen „signifikanter Volatilität“, wie Roland Berger feststellt. Ursachen sind Überangebot, volatile Futter- und Energiekosten sowie geopolitische Unsicherheiten. ZumBeispiel wurden Preiseinbrüche von 30 Prozent innerhalb weniger Monate beobachtet. Entscheidend wird daher sein, dass Unternehmen schnelle Entscheidungsstrukturen etablieren und über eine solide Eigenkapitalbasis verfügen.
2. Starker Strukturwandel bei Höfen und Molkereien.
Die Zahl der Milchviehbetriebe ging von etwa 94 000 im Jahr 2010 auf rund 50 000 in 2024 zurück – über die Jahre haben sich die Molkereien ebenfalls halbiert. Roland Berger erwartet, dass im Wettbewerb vor allem Betriebe mit einem Jahresumsatz über 250 Mio. € und starker Differenzierung im Sortiment weiterhin relevant bleiben.
3. Margendruck im Commodity-Milchgeschäft vs. Chancen in Spezialprodukten.
Commodity-Molkereien operieren häufig mit EBIT-Margen unter zwei Prozent, während Spezialisten mit differenzierten Produkten Margen von fünf bis zehn Prozent und mehr erreichen können. Wachstum soll insbesondere aus funktionalen Milchprodukten (z. B. Protein-Drinks, Wachstum 6 – 8 Prozent/Jahr) und durch Internationalisierung kommen. Ziel: Exportanteile von 30 bis 50 Prozent.
4. Finanzielle Flexibilität als Wettbewerbsvorteil
Private Molkereien mit Eigenkapitalquoten von 40–60 Prozent gelten laut Studie als flexibler gegenüber Genossenschaften (Eigenkapitalquoten rund 15–25 Prozent). Frühzeitiges, proaktives Handeln und geringe Abhängigkeit von Fremdkapital sind essenziell, um in volatilen Märkten bestehen zu können.
5. Tierische Milch dominiert – Pflanzenalternativen wachsen langsam
Die traditionelle Milch bleibt mit etwa 30 Mrd. € Jahresumsatz und einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 84 kg pro Jahr in Deutschland führend. Pflanzliche Alternativen kommen bisher auf einen Marktanteil von etwa vier Prozent. Entscheidend wird sein, wie gut Molkereien ihre ernährungsphysiologischen und gesundheitlichen Vorzüge kommunizieren können.
6. Technologischer Wandel: KI als Effizienzhebel
Nur etwa 15-20 Prozent der Lebensmittelunternehmen setzen Künstliche Intelligenz bislang aktiv ein, dennoch sieht Roland Berger in der KI ein großes Effizienzpotenzial – Einsparungen von 10 bis15 Prozent in der gesamten Wertschöpfungskette gelten als realistisch, wenn der Einsatz konsequent vorangetrieben wird.

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