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Quelle: Cicero

Die ach so moralischen Konsumenten

Cicero hat den Boykottaufruf der linken Aktivistenorganisation Campact gegen Theo Müller bzw. seine Unternehmen kommentiert – hier einige Auszüge:

Die Datenlage ist eindeutig: Nestlé wird seit über 40 Jahren boykottiert … Milliardenumsätze, steigend. Die Katar-WM sollte niemand schauen … Rekordeinschaltquoten. Kitkat killt die letzten Orang-Utans … keine nennenswerten Einbrüche. Über eine vermeintliche Nähe zur AfD von Theo Müller wird alle Jahre wieder geraunt (die der Unternehmer selbst verneint). Bisher: stabile Umsätze, Rekordgewinne. In manchen Segmenten hat Müller (und seine weiteren Marken) 30 Prozent Marktanteil. Das ist keine Marke mehr, das ist kritische „Milch-Infrastruktur“. Campact weiß das. Und trotzdem werden die Plakate geklebt. Warum? Weil die ökonomische Wirkung gar nicht das Ziel ist.

Der Boykottaufruf markiert Zugehörigkeit zu jenem Milieu, das sich über moralischen Konsum definiert. Man empört sich über etwas, das einen selbst nichts kostet. Denn der typische Müllermilch-Opponent würde diese „ungesund-zuckrige Unterschichten-Plörre“ niemals anrühren. Das essen Menschen, die nicht wissen, wie man „Demeter“ ausspricht, und die „fermentiert“ für einen Spezialbeton halten. Wer bei Alnatura einkauft und dessen Kinder Regula und Änne heißen, würde eher verhungern, als zu Müller zu greifen. Der Boykott ist weniger eine ökonomische Intervention als ein Akt kultureller Selbstvergewisserung: Man zeigt, wer man ist und wer man nicht ist.

Auffällig ist dabei die Selektivität der Empörung. Politische Kontakte eines Unternehmers gelten als skandalös. Steuervermeidung globaler Konzerne, prekäre Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten oder aggressive Plattformökonomien werden pragmatisch hingenommen, weil sie den eigenen Alltag erleichtern. Empörung folgt weniger einer konsistenten Ethik als einer milieuspezifischen Anschlussfähigkeit. Dies wird vor allem dann fragwürdig, wenn man weiß, dass bei Müller gut 34.000 Menschen arbeiten: in Produktion, Logistik und Verwaltung. Menschen, deren Arbeitsplätze von solchen Kampagnen zumindest indirekt berührt werden. In der moralischen Bilanz des Boykotts spielen sie keine Rolle.

Was Campact vollführt, ist die Kommerzialisierung von Empörung: Man verkauft das gute Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen.

 

Abb.: Campact

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