Daten von YouGov und dem Sinus-Institut zeigen Veränderungen beim Kauf von Fleisch, Wurst und pflanzlichen Alternativen. Knapp 35 Prozent der Haushalte haben im untersuchten Zeitraum mindestens einmal Fleischersatz in Deutschland gekauft. Zugleich planen 27 Prozent der befragten Fleischesser, ihren Konsum von Fleisch und Wurst zu reduzieren.
Fleischkäufe verteilen sich auf weniger Haushalte
93 Prozent der deutschen Haushalte kauften im betrachteten Zeitraum Fleisch und Geflügel. Im Vergleich der untersuchten Zeiträume sank die Käuferreichweite um zwei Prozentpunkte, während die gekaufte Menge um drei Prozent zunahm. Hähnchen erreichte einen Anteil von 35 Prozent am gesamten Fleischabsatz und lag damit vor Schweinefleisch mit 32 Prozent.
Bei Wurstwaren lag die Käuferreichweite bei 95 Prozent der Haushalte. Sowohl die Reichweite als auch die Absatzmenge gingen im Vergleich um jeweils zwei Prozent zurück.
Von den befragten Fleischessern wollen 27 Prozent ihren Konsum in nächster Zeit reduzieren, während zwei Prozent eine Steigerung planen. 43 Prozent stimmen der Aussage zu, dass es ihnen guttun würde, weniger Fleisch, Wurst und Fisch zu essen. Einen vollständig vegetarischen Lebensstil können sich 22 Prozent dieser Gruppe vorstellen, eine vegane Ernährung 14 Prozent. 28 Prozent der Deutschen bezeichnen sich selbst als Flexitarier.
„Die Daten sprechen weniger für einen breiten Trend zum Vegetarismus oder Veganismus, sondern stärker für die wachsende Bedeutung flexitarischer Ernährungsweisen“, sagt Petra Süptitz, Director Insights and Future Growth bei YouGov.
Umsatz mit Tofu und Falafel wächst deutlich
Der Markt für Fleischersatz in Deutschland erreicht nach den Paneldaten weitere Haushalte. Der Umsatz mit fleischanalogen Produkten wie vegetarischer oder veganer Wurst, Schnitzel und Hackfleisch stieg um gut sechs Prozent. Bei sonstigen Fleischersatzprodukten, zu denen Tofu und Falafel zählen, betrug das Umsatzplus 38 Prozent.
58 Prozent der Befragten haben bereits Fleischersatzprodukte gegessen. Weitere acht Prozent können sich den Konsum vorstellen. 53 Prozent gehen davon aus, dass pflanzliche Fleischalternativen eine gesunde Ernährung unterstützen können.
Gleichzeitig sehen 64 Prozent in vielen vegetarischen und veganen Ersatzprodukten zu viele Zusatzstoffe. 61 Prozent empfinden die Produkte als zu teuer. Günstigere Preise, weniger Zusatzstoffe und eine größere Produktauswahl werden in der Untersuchung als Ansatzpunkte für das weitere Wachstum von Fleischersatz in Deutschland genannt.
Postmaterielle erzielen hohe Umsatzanteile
Die Auswertung nach Sinus-Milieus weist vor allem Postmaterielle, Neo-Ökologische, Expeditive und Performer als Käufergruppen für Fleischersatz in Deutschland aus. 20 Prozent der Käufer gehören zum postmateriellen Milieu, obwohl dessen Anteil an der Bevölkerung bei zwölf Prozent liegt. Auf diese Gruppe entfallen 34 Prozent des Umsatzes mit Fleischersatzprodukten.
Das neo-ökologische Milieu erreicht einen Umsatzanteil von 14 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von acht Prozent. Postmaterielle, Expeditive und Neo-Ökologische äußern zudem überdurchschnittlich häufig die Absicht, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, und nutzen Fleischersatzprodukte besonders häufig.
Weitere Potenziale sieht die Analyse bei Konsum-Hedonisten und Adaptiv-Pragmatischen. Diese Milieus kaufen Fleischersatz bereits gelegentlich, erreichen bislang jedoch vergleichsweise geringe Absatz- und Umsatzanteile. Jan Hecht, Director Research & Consulting am Sinus-Institut, nennt Convenience und eine zeitgemäße Aufmachung als wichtige Faktoren für diese Käufergruppen.
Deutschland und Österreich zeigen Unterschiede
In Deutschland und Österreich kauft jeweils rund ein Drittel der Haushalte Fleischersatz. Während in Deutschland die gekauften Fleischmengen trotz rückläufiger Käuferzahlen leicht zunahmen, gingen in Österreich sowohl Käuferreichweite als auch Absatzmenge zurück. 36 Prozent der österreichischen Fleischesser beabsichtigen, ihren Konsum zu reduzieren. In Deutschland liegt dieser Anteil bei 27 Prozent.
Die Befragung basiert auf 2.023 Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels. Die gewichteten Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren. Ergänzend wurden Einkäufe von Privathaushalten für den Konsum zu Hause im Shopper Panel von YouGov CP Germany ausgewertet.
Weitere Informationen unter: yougov.com/de-de