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Technik
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Industrielle Batteriespeicher

 

FION Energy, ein Berliner Cleantech-Unternehmen, das industrielle Batteriespeicher durch KI-Optimierung wirtschaftlich macht, hat die Amortisationszeit eines realen Industrieprojekts berechnet. Das Ergebnis: Bei einem 250 kW/ 500 kWh-Batteriespeichersystem liegt die Amortisationszeit bei rund 3,9 Jahren. Entscheidend ist die Fähigkeit des Systems, Lastprofil, Hochlastzeitfenster, Strompreise und Speicherzustand kontinuierlich gegeneinander abzuwägen.

„Die Wirtschaftlichkeit industrieller Batteriespeicher hängt heute weniger von der Hardware ab als von der Betriebsstrategie“, erklärt Johannes Meriläinen, Geschäftsführer von FION Energy. Während viele Industriebetriebe bei Ereignissen wie den negativen Day-Ahead-Preisen am 1. Mai 2026 (mit Werten bis zu -499,99 €/MWh) oft nur zusehen können, wandelt die FION-Software diese Marktvolatilität in wirtschaftlichen Nutzen um.

„Industriebetriebe sollten ihre Produktion nicht manuell an Strompreise oder Hochlastzeitfenster anpassen müssen. Sie sollen weiter produzieren können wie geplant – während unsere KI im Hintergrund Marktpreise, Lastprofil, Speicherzustand und Netzrestriktionen bewertet und den Speicher dort einsetzt, wo er den größten wirtschaftlichen Nutzen bringt“, so Meriläinen weiter.

Das System wägt dabei wiederkehrend zwischen Lastspitzenkappung, Spot-Beschaffungsoptimierung und der Vermarktung freier Speicherkapazitäten an Strommärkten ab. In anderen Konstellationen können weitere Anwendungsfälle hinzukommen, etwa die Optimierung des Eigenverbrauchs aus Photovoltaik- oder KWK-Anlagen.

Beispiel-Szenario: Investition rechnet sich nach 3,9 Jahren

Grundlage der Berechnung ist ein reales Industrieprojekt: ein Industrieunternehmen mit 2,5 GWh Jahresverbrauch und 650 kW maximaler Leistung.

Lastspitzenkappung (Atypische Netznutzung gemäß §19 StromNEV):
Bei der atypischen Netznutzung können Industrieunternehmen reduzierte Netzentgelte erhalten, wenn ihre höchste Leistung während der vom Netzbetreiber festgelegten Hochlastzeitfenster deutlich unter ihrer allgemeinen Jahreshöchstlast liegt. FION identifiziert diese Hochlastzeitfenster und setzt den Speicher gezielt ein, um Lastspitzen in diesen Zeiträumen zu reduzieren – ohne die Produktion zu drosseln. Im Beispielszenario liegt die allgemeine Jahreshöchstlast bei 650 kW, während der maßgebliche Leistungswert in den Hochlastzeitfenstern durch den Speichereinsatz auf 410 kW sinkt. Daraus ergibt sich eine jährliche Einsparung von rund 39.000 Euro.

Spot-Beschaffungsoptimierung und Trading
Neben der Lastspitzenkappung optimiert FION den Speicher auch für dynamische Strompreise. Bei der Spot-Beschaffungsoptimierung wird der Netzbezug des Kunden zeitlich verschoben: Der Speicher lädt in günstigen Preisphasen und entlädt, wenn der Strombezug besonders teuer wäre. Dadurch sinken die Beschaffungskosten des Unternehmens, ohne dass Produktionsprozesse angepasst werden müssen.
Nicht benötigte Restkapazitäten des Speichers können zusätzlich an Strommärkten vermarktet werden, etwa am Day-Ahead-, Intraday- oder Regelenergiemarkt. So entstehen im Beispielszenario zusätzliche wirtschaftliche Effekte von rund 23.000 Euro pro Jahr: 7.500 Euro durch Spot-Beschaffungsoptimierung und 15.500 Euro durch Trading.

Amortisationsrechnung im Überblick

Position                                                                                             Ertrag / Kosten (jährlich)
Lastspitzenkappung                                                                         + 39.000 €
Spot-Beschaffungsoptimierung                                                     + 7.500 €
Trading                                                                                                + 15.500 €
Operative Kosten (u. a. Wartung, Software, Versicherung)   – 10.500 €
Gesamt                                                                                                + 51.500 €
Bei einem Investitionsvolumen von ca. 200.000 € ergibt sich eine Amortisationszeit von 3,9 Jahren.

„Das Energiesystem der Zukunft braucht mehr Flexibilität auf der Verbrauchsseite. Je stärker die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien schwankt, desto wertvoller werden Unternehmen, die ihren Netzbezug intelligent steuern können – ohne ihre Produktion zu unterbrechen oder Prozesse manuell anzupassen”, sagt Meriläinen. „Wir sehen, dass die Nachfrage nach solchen Systemen deutlich wächst. Viele Industriebetriebe erkennen, dass Batteriespeicher nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema sind, sondern ein wirtschaftlicher Hebel. Bei geeigneten Standorten können sie sich auch ohne Förderung schnell amortisieren und Energiekosten reduzieren, ohne großen Aufwand im laufenden Betrieb.”

 

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