Bild v.r.n.l.: KEI-Leiter Jakob Flechtner präsentiert zusammen mit Referentin Monica Villanueva und Fachgebietsleiter Dr. Kai Winkelmann die neue Studie „Transformationsfaktoren für eine klimafreundliche Industrie” (© Foto: KEI)
Das Erreichen der Klimaschutzziele stellt den Industriesektor in ein Spannungsverhältnis zwischen Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit. Auf dem Weg zu einer fossilfreien Produktion gilt es zugleich, industrielle Wertschöpfung langfristig zu sichern. Die Voraussetzungen dafür hat das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) in der heute veröffentlichten Studie „Transformationsfaktoren für eine klimafreundliche Industrie“ untersucht.
Die Begleitstudie betrachtet datenbasiert die beschleunigenden und hemmenden Wechselwirkungen in der industriellen Dekarbonisierung. Dabei werden technische, ökonomische, infrastrukturelle, regulatorische sowie gesellschaftliche Faktoren identifiziert, die Einfluss auf die Transformation zur Klimaneutralität haben. Grundlage ist die qualitative Analyse von 30 Interviews mit energieintensiven Industrieunternehmen, die bereits CO₂-arme Technologien umsetzen
Die Ergebnisse zeigen: Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit müssen nicht im Widerspruch stehen. Entscheidend ist, dass Standortbedingungen so gestaltet werden, dass Investitionen in klimafreundliche Produktion wirtschaftlich tragfähig werden. Das 70-seitige Papier bündelt die Erkenntnisse in konkreten Handlungsempfehlungen für Politik und Industrie und stellt sie in einem übergreifenden Wirkungsmodell zueinander in Beziehung.
Jakob Flechtner, Leiter des Kompetenzzentrums Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI), sagt anlässlich der Studienveröffentlichung: „Die Transformation zur klimaneutralen Industrie ist weit mehr als eine technologische Herausforderung. Ob sie gelingt, entscheidet sich am Zusammenspiel der Transformationsfaktoren. Denn Unternehmen investieren nur dort, wo Energieversorgung, Infrastruktur, Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten, gesellschaftliche Akzeptanz und regulatorische Rahmenbedingungen zusammenpassen.“
Wechselwirkungen der Transformationsfaktoren
Ein zentraler Erkenntnisgewinn der KEI-Publikation ist, dass Transformationsfaktoren nicht isoliert wirken. Einerseits stärken wettbewerbsfähige Energiepreise, verfügbare Infrastruktur und verlässliche Regulierung Investitionsentscheidungen. Andererseits bremsen fehlende Planungssicherheit und hohe Bürokratie Innovationen und verzögern damit die industrielle Transformation. Die Studie entwickelt daraus ein neues Wirkungsmodell, das die Wechselwirkungen zwischen den Transformationsfaktoren sichtbar macht. Damit liefert sie Ansätze, um Transformationsprozesse gezielter zu steuern.
Handlungsempfehlungen für Politik und Industrie
Die Studie leitet konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Industrie ab. Für die Politik steht im Fokus, verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen zu schaffen und gleichzeitig Vertrauen in der Gesellschaft aufzubauen. Dazu zählen wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere und einheitlichere Genehmigungsverfahren, der koordinierte Ausbau von Energie- und Wasserstoffinfrastruktur sowie die Schaffung von Leitmärkten für klimafreundliche Produkte. Auch die Entlastung von Unternehmen bei Betriebskosten spielt eine wichtige Rolle, um die Wettbewerbsfähigkeit in der Transformationsphase zu sichern.
Für die Industrie hebt die Untersuchung folgende Erfolgsfaktoren als beschleunigend für die Transformation hervor: regionale Kooperationen, innovative Beteiligungsmodelle sowie der Austausch von Wissen und Erfahrungen. Zudem tragen die aktive Einbindung und Qualifizierung der Beschäftigten dazu bei, Investitionen abzusichern und Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen.