Im Bild v.l.n.r.: Stephan Sedlmayer, Präsident Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender Nestlé Deutschland, Frank Brinkmann, Werkleiter Biessenhofen, Gerhard Metz, Landwirt, Stephan Schindele, BayWa r.e. (Foto: Nestlé)
Nestlé hat am Nestlé Nutrition Werk in Biessenhofen eine innovative Agri-Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen. Die “Cow-PV”-Anlage verbindet die Erzeugung von regionalem Ökostrom mit landwirtschaftlicher Nutzung, Heuerzeugung und Tierwohl. Der vor Ort erzeugte Solarstrom treibt zugleich die Elektrifizierung und Energiewende am Standort voran: Er unterstützt den Betrieb von Wärmepumpen und die intelligente Nutzung von Abwärme.
Nestlé hat rund 3 Millionen Euro in das Projekt investiert. Realisiert wurde die Anlage gemeinsam mit dem Erneuerbare-Energien-Unternehmen BayWa r.e., das seine Expertise im Bereich Agri-PV in Planung, Bau und Betrieb eingebracht hat.
Die Agri-PV-Anlage wurde auf einer 4,74 Hektar großen Fläche (rund 7 Fußballfelder) in unmittelbarer Nachbarschaft des Werks errichtet und ist direkt an den Produktionsstandort angebunden. Mit einer installierten Leistung von 4,5 Megawatt Peak kann sie rechnerisch rund ein Viertel des Strombedarfs des Werks decken.
Besonderheit der Anlage ist die gleichzeitige landwirtschaftliche Nutzung: Die Fläche bleibt Weide- und Futterfläche für Kühe und erfüllt die Anforderungen der DIN SPEC 91434, die Kriterien für die landwirtschaftliche Hauptnutzung bei Agri-Photovoltaik definiert.
Die Module der PV-Anlage sind aufgeständert in 2 Metern Höhe montiert. So spenden sie den Kühen an sonnigen Tagen Schatten und bieten bei Niederschlag Schutz. Auf der Fläche finden sowohl Muttertiere als auch Kälber und Jungtiere Platz. So unterstützt Nestlé Tierwohl auf der Weide.
Insgesamt sind 7.800 Solarmodule installiert. Der Reihenabstand zwischen den PV-Modulen von 3,30 Metern sorgt dafür, dass die Bewirtschaftung mit Traktor, Mähwerk und Ladewagen weiterhin möglich ist. So bleibt die landwirtschaftliche Nutzung in Kombination mit einem Weidemanagement unter der gesamten Agri-PV-Anlage praktikabel.
Gemeinsam mit Landwirt Gerhard Metz wurde das Konzept der “Cow-PV”-Anlage entwickelt, das Stromerzeugung, Tierwohl und Bewirtschaftung effizient kombiniert. Während Nestlé in die Agri-PV-Anlage investierte, hat der Landwirt ein neues Stallgebäude auf der Fläche realisiert.
Der neue Stall mit Platz für bis zu 50 Kühen befindet sich direkt angrenzend an die Fläche mit der Photovoltaik-Anlage und ist mit automatisierter Melktechnik ausgestattet. Er ermöglicht den Weidegang der Tiere als Voraussetzung für den Bio-Betrieb und verbindet Tierwohl mit effizienten Abläufen. Ein moderner Melkroboter nutzt dabei Selektionstüren, um die Weidehaltung zu steuern: Anhand von individuell erhobenen Daten der Kühe wird automatisch entschieden, ob ein Tier nach dem Melken Zugang zur Weide bekommt oder nochmals in den Stall zurückgeleitet wird. Das schafft Flexibilität für den Landwirt und spart Zeit im Arbeitsalltag.
Im Testmonat März konnte durch die Photovoltaik-Anlage bereits eine Einsparung von 14 Prozent des Werksstroms erreicht werden – obwohl die Anlage in dieser Phase noch gedrosselt lief und die Sonneneinstrahlung saisonbedingt gering war. Gleichzeitig wurde bereits überschüssiger Solarstrom in das öffentliche Netz eingespeist.