Neue Forschungsergebnisse ändern unser Bild vom Milchkonsum in der Menschheitsgeschichte. Archäologische und genetische Studien zeigen, dass Milch nicht einfach auf Verdacht in den menschlichen Ernährungsplan kam. Menschen nutzten Milchprodukte lange, bevor die Fähigkeit zur Laktoseverdauung im Erwachsenenalter weit verbreitet war. Der Schlüssel dazu waren kulturelle Innovationen.
Frühe Kulturen umgingen das Problem der Laktoseintoleranz mit Fermentation. Durch die Herstellung von Käse, Joghurt oder ähnlichen Produkten reduzierten sie den Milchzuckergehalt. So erschlossen sie sich die Nährstoffe der Tierhaltung, ohne negative Folgen des Milchkonsums fürchten zu müssen. Die Fähigkeit, auch als Erwachsener Laktase zu produzieren, ist eine der jüngsten und stärksten evolutionären Anpassungen des Menschen. Forscher der Universität Mainz und des University College London vermuten dafür diesen Mechanismus: In Zeiten von Hungersnöten und Seuchen wurde der Konsum frischer Milch für laktoseintolerante Menschen lebensgefährlich. Starker Durchfall bei bereits geschwächten und unterernährten Personen war oft tödlich. Wer die Mutation trug, überlebte mit höherer Wahrscheinlichkeit – und gab das Gen weiter.
Foto: AMA