Auf dem World Dairy Leaders’ Forum traf molkerei-industrie am
21. September in Berlin den Chef der größten australischen Käserei, Bega
Cheese, Barry Irvin (Foto). Seine Ansichten über Protektionsmus und Marktregelung
geben wir in diesem Kurzinterview wieder.
mi: Ein australisches Unternehmen dürfte per se für einen
freien Handel sein. Aber sehen das Ihre Milcherzeuger genau so?
Irvin: Den Gesundheitsstatus einer Branche kann man daran
ablesen, ob es eine Folgegeneration gibt, die das Ererbte weiterführen will.
Wäre ich ein Nachwuchsmilcherzeuger, müsste ich mir die Frage stellen,. Ob ich
wirklich will, dass mein eigenes Agrarunternehmen auf Dauer von Anderen
abhängig ist. Wenn ich mich in Australien, aber auch anderswo umhöre, dann sagen
die Junglandwirte, dass sie keinen regulierten Markt mehr haben wollen.
mi: Ihre Ansicht und die der von Ihnen zitierten Nachwuchsmilcherzeuger
muss nicht unbedingt von Berufskollegen in anderen Ländern geteult werden,
schon gar nicht in Europa …
Irvin: Wenn man Subventionen aufrecht erhält, besteht immer
die Gefahr, dass man das ökonomsiche Leiden verlängert und vielleicht sogar auf
die kommende Generation überträgt. Wandel tritt ohnehin ein und in einer
marktwirtschaft ist es ganz normal, wenn es Gewinner und Verlierer gibt. Von
daher sollte man besser gleich den Markt regieren lassen.
mi: Sie klagen also gar nicht über die momentane Lage, bei
der der Markt seine volle Brutalität zeigt?
Irvin: Dynamisch wachsende Wirtschaftsbereiche klagen an sich
überhaupt nicht. Wenn sie sich beschweren, dann nur darüber, wenn sie
Restriktionen vorfinden.
Bega Cheese
Bega Cheese ist ein australisches Privatunternehmen, dessen Anteilseigner
zumeist Farmer sind. Das Unternehmen setzt 800 Mio. $ (AUS) um und verarbeitet
700 Mio. l Milch zu 140.000 t Käse (Cheddar, Schmelzkäse), 30.000 t
Kindernährmitteln, 15.000 t Cream Cheese und 10.000 t MMP; daneben füllt Bega
Konsummilch ab. Für die Schnelze kauft das Unternehmen Rohware zu, bedeutende
Kunden sind Fonterra und Kraft Foods.