Jüngste Zahlen zeigen, dass sich die Inflation in den europäischen Euro-Ländern zwar verlangsamt hat, die reale Lebensmittelinflation jedoch weiterhin höher ist und scheinbar ungebremst anhält, was die Frage aufwirft, ob unlautere Gewinnstreben und unlauterer Wettbewerb dafür verantwortlich sind. Inmitten der Lebenshaltungskostenkrise kämpft die Lebensmittelindustrie mit hartnäckigen Inflationsraten, die den Druck auf die Verbraucherausgaben verschärfen. Die Daten zur europäischen Inflation (in der Eurozone) zeigen, dass sie gesunken von ihrem Höchststand von 10,6 % im Oktober 2022 auf 2,9 % im Oktober 2023. Die Inflation bei Nahrungsmitteln lag jedoch im Oktober 2023 bei 7,4 %
Die reale Lebensmittelinflation, die sich auf die Preissteigerung von Lebensmitteln abzüglich der Gesamtinflation bezieht, ist mit 4,6 % zwar gesunken, aber immer noch höher als die Gesamtinflationsrate. Bei den ohnehin schon angespannten Haushaltsbudgets übt dies weiteren Druck auf die Verbraucher aus. Wenn die Gesamtinflation zurückgeht, die Lebensmittelinflation aber hoch bleibt, wie es nach den Daten vom Oktober 2023 der Fall war, führt dies zu Fragen. Im Oktober 2023 übertraf die jährliche Inflation bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken die Gesamtinflation in 33 von 37 europäischen Ländern, wie Eurostat-Daten zeigen.
Laut Camille Perrin, Leiterin des Lebensmittelteams der Europäischen Verbraucherorganisation (BEUC), besteht der Verdacht der Preisabzocke durch einige Akteure, die die Inflation ausnutzen, um ihre Preise stärker zu erhöhen als nötig, um den Anstieg der Produktionskosten auszugleichen. Es gebe Anzeichen dafür, dass die jüngste Inflation zum Teil auf Gewinnstreben von Unternehmen zurückzuführen sei, anstatt auf einen fairen Wettbewerb. Gewinnsucht, die auch als “Greedflation” (Gierinflation) bezeichnet wird, stellt lt. Perrin ein Risiko für die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel- und Getränkeindustrie dar und beeinträchtigt das Vertrauen in Marken, Produkte und die Preisgestaltung.