Der niederländische Agrarinformationsdienst „Boerderij“ kommentiert heute den Mengendruck, den vor allem Genossenschaften verspüren:
Während aktuell zwei große US-amerikanische Molkereien in Insolvenz stehen, sind die Probleme der größeren Molkereigenossenschaften in Mitteleuropa längst nicht so groß, dass sie in ähnlicher Gefahr wären. Aber es wird immer schwieriger, den Auftrag einer Genossenschaft zu erfüllen, die gesamte angebotene Milch aufzunehmen und zu verwerten, einen höchstmöglichen Milchpreis zu zahlen und dann noch einen Gewinn zu erzielen.
Wachstum ohne Profit, lukrative Märkte abgegrast
Ein Beispiel ist der Milchpulvermarkt in einer Reihe von Schwellenländern. Dort ist die eigene Milchproduktion aus verschiedenen Gründen oft schwierig, aber es besteht ein Bedarf an guter Ernährung einer schnell wachsenden Bevölkerung. Traditionell wird Kondensmilch, Voll- oder Magermilchpulver in diese Länder exportiert, aber zu höheren Preisen sind diese Produkte dort nicht für jeden erschwinglich. I Deshalb wurde “fat-filled” Milchpulver entwickelt, bei dem das Milchfett durch Palm- oder Kokosnussöl ersetzt wird. Dies macht das Produkt erschwinglicher und einfacher zu lagern. Auf diese Weise wächst der Milchmarkt insgesamt, aber nicht so, dass im Herkunftsland zusätzliches Geld verdient wird.
Andererseits profitieren einige Unternehmen wie FrieslandCampina, Danone und Nestlé auch von margenstarken Märkten und Produkten, wie z.B. Kindernahrung in China. Leider ist dieser Markt weitgehend abgegrast. Es gibt so viele Anbieter, dass das zentral verwaltete China die Verkäufer leicht gegeneinander ausspielen und wie ein Supermarktkonzern fast allen die Marge diktieren kann.
Flexibilität als Herausforderung
Bei FrieslandCampina haben der hohe Garantiepreis und der Verlust der großen Gewinne aus dem chinesischen Markt die Finanzkraft des Unternehmens beeinträchtigt. Der Garantiepreis wurde daher nach unten angepasst, und es wird zusätzliches Eigenkapital benötigt. Auf einigen großen Märkten, wie Deutschland, Geld zu verdienen, bleibt ein harter Job, aber glücklicherweise hat FrieslandCampina noch immer verschiedene lukrative Exportmärkte und Beteiligungen, wie zum Beispiel bei DFE Pharma.
Deshalb ist es wichtig, weiterhin zu investieren, zu innovieren und schnell auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren. Manchmal erfordert dies auch von großen Unternehmen höchste Flexibilität. Bei FrieslandCampina und DMK bezeichnen die Spitzenleute ihre Unternehmen regelmäßig als “Supertanker” – große Unternehmen, die sehr effizient mit Massenware umgehen können. Aber in einem schwierigen Markt mit unterschiedlichen Gegebenheiten und Präferenzen ist Flexibilität Trumpf. Aus diesem Grund wird unter anderem die geplante Zentralisierung der Käsefabriken von FrieslandCampina weitgehend rückgängig gemacht.
Ein gutes Beispiel dafür, wie ein fast extrem flaches Molkereiunternehmen die etablierte Ordnung schlagen kann, ist die ‘no-nonsense cooperative’ Laiterie des Ardennes (LdA). Sie hat in den letzten Jahren mehr Milchgeld ausgezahlt als die industriell viel weiterentwickelte und kapitalintensivere Milcobel.
Es ist also nicht überall so, dass die Genossenschaften im Molkereisektor Probleme haben, aber die Genossenschaften sind unter den Spitzenreitern der Branche stark vertreten.
Besser ohne Mengendruck
Zu den großen Milchverarbeitern, die bisher von den Problemen verschont geblieben sind, gehören die drei Großen des Sektors: Danone, Lactalis und Nestlé. Was sie den anderen voraus haben, ist, dass sie starke Marken haben und nicht nur von Milch abhängig sind – Danone und Nestlé haben in den letzten Jahren viel in Milchersatzprodukte investiert. Sie leiden auch nicht unter dem Milchmengendruck.
Foto: Arla Foods