Am 12. August 2026 wird die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR grundsätzlich anwendbar. Für Lebensmittelkontaktverpackungen gelten dann unter anderem neue Grenzwerte für bestimmte PFAS. Weitere Anforderungen folgen schrittweise. Ab 2030 müssen Verpackungen höhere Anforderungen an die Recyclingfähigkeit erfüllen; für Kunststoffverpackungen gelten zudem Mindestanteile an Rezyklaten.
Für Lebensmittelhersteller entstehen dadurch Prüfungs-, Entwicklungs- und Umstellungskosten. „Nach unseren Projekterfahrungen lassen sich die Verpackungskosten häufig um fünf bis 25 Prozent senken – ohne Abstriche bei Produktschutz oder Markenwirkung“, sagt Alexander Hornikel, Country Manager bei Kloepfel by EPSA.
Dabei sind fünf Hebel besonders wirksam.
Hebel 1: Verpackungsvielfalt reduzieren
Viele Lebensmittelhersteller verwenden zahlreiche Formate, Materialien, Materialstärken und Druckbilder. Teilweise werden für einzelne Produktvarianten oder Aktionen eigene Verpackungen entwickelt. Jede zusätzliche Variante verursacht Entwicklungs-, Beschaffungs-, Lager- und Prozesskosten.
Empfehlung: Ähnliche Verpackungen sollten zusammengeführt und Formate, Kartonagen sowie Materialstärken standardisiert werden. Weniger Varianten ermöglichen größere Bestellmengen und stärken die Verhandlungsposition.
Hebel 2: Verpackungen auf das Notwendige beschränken
Verpackungen sind häufig stärker, größer oder aufwendiger bedruckt, als es für Produktschutz und Markenwirkung erforderlich wäre. Zusätzliche Farben, Lacke, Sonderausführungen oder überdimensionierte Kartons erhöhen die Kosten, ohne erkennbaren Mehrwert zu schaffen.
Empfehlung: Unternehmen sollten Materialstärken, Abmessungen, Druckverfahren und Ausstattungsmerkmale nach dem Prinzip „fit for purpose“ überprüfen. Häufig sind Einsparungen möglich, ohne Haltbarkeit, Sicherheit oder Erscheinungsbild zu beeinträchtigen.
Hebel 3: Volumina bündeln
Werden Verpackungen dezentral von einzelnen Werken, Marken oder Produktbereichen beschafft, bleiben Mengenvorteile ungenutzt. Gleichzeitig entstehen unterschiedliche Preise für vergleichbare Verpackungen.
Empfehlung: Bedarfe sollten produkt- und standortübergreifend gebündelt ausgeschrieben werden. Dadurch steigen die Einkaufsvolumina, während sich Beschaffungsaufwand, Lagerbestände und Prozesskosten reduzieren lassen.
Hebel 4: Lieferanten und Bezugswege prüfen
Viele Unternehmen beziehen Verpackungen seit Jahren von denselben Anbietern. Marktvergleiche und Ausschreibungen finden nur unregelmäßig statt. Teilweise erfolgt der Bezug über Händler, obwohl ein direkter Einkauf beim Hersteller wirtschaftlicher wäre.
Empfehlung: Preise, Lieferantenstrukturen und Bezugswege sollten regelmäßig überprüft werden. Neben dem Stückpreis müssen Werkzeug-, Druck-, Transport-, Lager- und Entsorgungskosten berücksichtigt werden.
Hebel 5: PPWR-Umstellung mit Kostensenkung verbinden
Wer lediglich bestehende Verpackungen durch neue Materialien ersetzt, übernimmt möglicherweise alte Varianten und überhöhte Spezifikationen in die PPWR-konforme Verpackungswelt.
Empfehlung: Lebensmittelhersteller sollten bei ihren Lieferanten frühzeitig Materialdaten, Nachweise zur Einhaltung der PFAS-Grenzwerte und die erforderlichen Konformitätsunterlagen anfordern. Gleichzeitig sollten sie prüfen, welche Verpackungen angepasst, standardisiert oder neu ausgeschrieben werden müssen.
Einkauf, Produktion und Marketing an einen Tisch
Verpackungen dürfen nicht allein aus Sicht des Einkaufs betrachtet werden. Produktion, Marketing, Qualitätsmanagement und Entwicklung müssen gemeinsam entscheiden, welche Lösungen technisch notwendig und wirtschaftlich sinnvoll sind.
„Wer Verpackungen nur einzeln PPWR-konform umbaut, übernimmt alte Kostenstrukturen in die Zukunft. Der bessere Weg ist, Regulierung und Einkauf gemeinsam zu betrachten: Varianten reduzieren, Spezifikationen entschlacken und Volumina bündeln. So lassen sich zusätzliche Anforderungen zumindest teilweise durch Einsparungen finanzieren“, sagt Daniel Schütt, Verpackungsexperte bei Kloepfel by EPSA.
Abb.: Kloepfel by EPSA / Leonardo.ai (KI-generiert),