Eine in der Fachzeitschrift Critical Reviews in Food Science and Nutrition zitierte, aktuelle Untersuchung vergleicht den Nährwert von Kuhmilch mit dem verschiedener pflanzlicher Alternativen. Dabei werden gängige Mythen rund um die angebliche generelle Überlegenheit von Pflanzenmilch wissenschaftlich eingeordnet.
Laut den Forschern – koordiniert von der Ernährungsberaterin Therese O’Sullivan (Edith Cowan University) – ist Kuhmilch weit mehr als nur die Summe ihrer Einzelkomponenten (wie Kalzium, Proteine und Fette). Ein Glas enthält etwa hundert Nährstoffe und bioaktive Substanzen. Die natürliche Matrix des Lebensmittels beeinflusst maßgeblich, wie Nährstoffe verdaut und absorbiert werden. So ist das in Kuhmilch enthaltene Kalzium eng an Proteine und Phosphor gebunden, was eine effiziente Aufnahme und Verwertung durch die Knochen begünstigt.
Die Annahme, dass pflanzliche „Milchsorten“ grundsätzlich gesünder seien, greift zu kurz. Pflanzenmilch schafft es oft nicht, die komplexen Bedingungen für eine optimale Nährstoffaufnahme im Körper nachzubilden. Zudem empfiehlt der Artikel einen genauen Blick auf die Etiketten, da viele Produkte zugesetzte Zucker, Öle oder Stabilisatoren enthalten, um Geschmack und Textur zu verbessern, was jedoch die Nährwertqualität mindern kann.
US-amerikanische Studien zeigen zudem, dass pflanzliche Alternativen durchgehend weniger Proteine als Kuhmilch enthalten, dafür jedoch arm an gesättigten Fetten sind. Die Wahl hängt folglich stark von den individuellen gesundheitlichen Bedürfnissen ab.
Zukünftige Trends könnten laut Forschern in sogenannten „Mix-Produkten“ liegen, die nicht mehr versuchen, Kuhmilch zu imitieren, sondern die besten Eigenschaften verschiedener Pflanzen kombinieren.
Ökobilanz und Nachhaltigkeit
Pflanzlicher Milchersatz wird oft aus ökologischen Gründen gewählt, doch eine Analyse der Deakin University in Australien relativiert dies teilweise:
Treibhausgase: Die durchschnittlichen CO2-Emissionen liegen bei Kuhmilch bei rund 300 Gramm pro Tasse, während sie bei Soja-, Hafer- und Mandelmilch bei etwa 100 Gramm liegen. Allerdings benötigt beispielsweise der Mandelbau extrem viel Wasser.
Verarbeitung: Während Kuhmilch lediglich gemolken und pasteurisiert wird, erfordert die Herstellung pflanzlicher Getränke oft aufwendigere industrielle Prozesse, die das ökologische Konto belasten.
Da auch der Einsatz von Düngemitteln je nach Anbau variiert, schlussfolgern Forscher, dass ein abwechselnder Konsum oft die umweltfreundlichste Entscheidung darstellt.