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Verpackung
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Europas Pouch-Gipfel tagte in Barcelona 

Auf der europäischen Fachveranstaltung INNO-Pouch standen am 8. und 9. Oktober 2026 drei zentrale Treiber der Standbodenbeutel-Entwicklung im Mittelpunkt: Digitalisierung, regulatorische Konformität und technische Performance. Bei HP in Sant Cugat bei Barcelona diskutierten Branchenexperten, wie digitale Technologien, neue Vorgaben und innovative Materialien die nächste Generation flexibler Verpackungen prägen.

Der Markt für Standbodenbeutel wächst weiter. Die Fachvorträge beleuchteten diese Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven und zeigten, welche technologischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Faktoren die Branche derzeit bewegen. Julian Thielen organisierte und moderierte die europäische Fachkonferenz im Rahmen der Innoform-Veranstaltungsreihe, die bereits zum neunten Mal Experten aus Industrie, Forschung und Markenunternehmen zusammenbrachte.

Digitale Technologien

Christoph Goeken (info.link) zeigte, wie KI die Recherche und Vorauswahl von Lieferanten und Verpackungslösungen verändert. Bereits heute können Käufer die KI nutzen, unter anderem für die Lieferantensuche, Recherche über Recyclingfähigkeit, PPWR-Konformität, Barriereeigenschaften, Maschinenkompatibilität und Umstellungskosten. Voraussetzungen dafür sind klar strukturierte, geprüfte und maschinenlesbare Inhalte, die KI-Systeme finden und zitieren können. Unternehmen sollten deshalb Produktdaten, Zertifikate, Kosten und regulatorische Informationen auf gut auffindbaren Webseiten bereitstellen, statt sie ausschließlich in PDF-Dokumenten zu veröffentlichen.
Yael Barak (HP Printing and Computing Solutions, S.L.U.) skizzierte fünf grundlegende Veränderungen in der Branche für flexible Verpackungen. Ihrer Einschätzung nach verliert der Markt über alle Verpackungssegmente hinweg an Dynamik. Ein Volumenwachstum kann bei stagnierendem oder volatilem Auftragsvolumen nicht mehr vorausgesetzt werden. Die Folge ist steigender Preis- und Margendruck. Markenartikler und Converter müssen deshalb Kundenbindung und Kosteneffizienz stärken und sich durch Differenzierung, Produktivität und Flexibilität behaupten. Digitalisierung und Digitaldruck eröffnen dafür neue Ansatzpunkte: wirtschaftliche Kleinauflagen, kürzere Markteinführungszeiten, regionale Angebote und geringerer Rüstaufwand. Wer sein Geschäftsmodell an diese Marktbedingungen anpasst, kann Margen schützen und zusätzliche Umsatzpotenziale erschließen.
Frank Plechschmidt erläuterte, wie die „Labelisten” Digitaldruck für Verpackungen und Etiketten erfolgreich einsetzen. Kunden erwarten kürzere Lieferzeiten, kleinere Auflagen, mehr Varianten und geringere Lagerbestände. Entscheidend ist daher nicht maximale Druckgeschwindigkeit, sondern ein durchgängig digitalisierter Produktionsprozess mit Automatisierung, leistungsfähiger Software und möglichst wenigen Umrüstungen. Insbesondere bei kleinen Aufträgen bietet Digitaldruck wirtschaftliche Vorteile. Die Labelisten übertragen ihre Erfahrungen aus dem Etikettendruck auf flexible Verpackungen und entwickeln eine vollständig digitalisierte „Factory of the Future”, die Aufträge statt Meter produziert.

Digitale Technologien verändern auch die Verpackung selbst. Dr. Steffen Scheibenstock (KURZ SCRIBOS) und Tiziano Albanese (HP) präsentierten fälschungssichere, intelligente Standbodenbeutel. Druckbare Kopierschutzmuster im Digitaldruck auf HP-Indigo-Maschinen erstellt, ermöglichen eine Authentifizierung per Smartphone, ohne App, und eröffnen eine direkte Interaktionsmöglichkeit mit der Marke. Das Cloud-Backend SCRIBOS 360 liefert globale Marktdaten, identifiziert Fälschungs-Hotspots und unterstützt die Rückverfolgbarkeit.
Die Digitaldruckmaschine HP Indigo 200K ermöglicht den zuverlässigen Druck von KURZ-SCRIBOS-Codes ohne Tonwertzunahme-Probleme und gewährleistet präzise Passgenauigkeit und individuelle Designs. Dies unterstützt Kleinauflagen, Serialisierung, flexible Designs und eine schnelle Markteinführung. Eine thermische Laminierung nach dem Druck sorgt für ein hochwertiges Erscheinungsbild.
Auch die Beutelherstellung entwickelt sich hin zu einer datenbasierten und vernetzten Produktion. Gustavo Guzzi (Karlville Swiss SAGL) stellte eine voll servogesteuerte und digital kontrollierte Plattform zur Beutelherstellung vor. Sie ermöglicht schnelle Umrüstungen, kurze Stillstandszeiten und eine effiziente Fertigung kleiner Chargen; zugleich bleiben Produktionsdaten rückverfolgbar. Den vorgestellten Ergebnissen zufolge sind Produktivitätssteigerungen von bis zu 20 Prozent, bis zu 70 Prozent schnellere Umrüstungen, 25 Prozent Energieeinsparung und 30 Prozent weniger Abfall möglich. Ein KI-Assistent ergänzt die Plattform um Telemetrie und vorausschauende Wartung.

Dr. Sascha Bach (watttron GmbH) erläuterte die Vorteile des „Digital Sealing”. Bei herkömmliche Siegelbalken treten Temperaturschwankungen über die Siegelbreite auf, was die Verarbeitung empfindlicher Monomaterialien erschwert. Watttron löst dies durch präzise Temperaturführung dank steuerbarer Heizpixel, die das Siegelwerkzeug zum Sensor machen. Zugleich ermöglichen sie die Rückverfolgbarkeit von Prozessen. Eine KI-basierte Inline-Qualitätskontrolle wertet Temperatur- und Leistungswerte in Echtzeit aus, um Anomalien wie Falten, Schmutz oder fehlende Ausstanzungen automatisch zu erkennen und sortiert fehlerhafte Verpackungen aus. Die pixelgenaue Temperaturregelung kann den Energiebedarf beim Siegeln um bis zu 50 % senken.

Neue Materialien stellen auch Verpackungsmaschinen vor zusätzliche Herausforderungen. Ellen Reichmann (Hesser Packaging GmbH) veranschaulichte, wie sich recycelbare Hochbarrierefolien auf leistungsstarken Verpackungslinien verarbeiten lassen. Einfluss auf die Prozessführung haben unter anderem Steifigkeit, Siegelverhalten und Siegeltemperatur, Schrumpf, Verbundhaftung, Schneideeigenschaften, Reibungskoeffizient, elektrostatische Aufladung und mechanische Belastbarkeit. Die Umsetzung in der Praxis erfolgt mittels angepasster Maschinenkomponenten, Laborprüfungen, gemeinsame Tests von Marken, Folien- und Maschinenherstellern sowie einem begleiteten Produktionshochlauf.

Ultraschallsiegeln 
Milena Seybold (Herrmann Ultraschalltechnik GmbH & Co. KG) zeigte, wie Ultraschallsiegeln die Umstellung auf recyclingfähige Monomaterialien unterstützen kann. Trotz vereinfachter Materialstrukturen müssen Dichtheit, Haltbarkeit, Geschwindigkeit, Prozessstabilität und Wirtschaftlichkeit gewährleistet bleiben. Herkömmliches Heißsiegeln kann Monofolien verformen und undichte Stellen entstehen. Ultraschall bringt die Energie gezielt zwischen den Folien ein und reduziert den Wärmeeintrag in den äußeren Schichten. Dies ermöglicht kurze Siegelzeiten und flachere, stabile Nähte, sowie das Einsiegeln von Spouts. Zwei Entwicklungsprojekte gaben Einblick in anstehende Lösungen für Mono-Spout-Beutel und Mono-SUPs – einschließlich hoher Festigkeit, Dichtheit, Sterilisationsbeständigkeit und zuverlässiger Qualitätskontrolle im Einklang mit den Anforderungen der PPWR.

Fazit 
Die INNO-Pouch machte deutlich: Die Zukunft des Standbodenbeutels entscheidet sich im Zusammenspiel von Digitalisierung, Materialinnovation und regulatorischen Anforderungen. Digitale Technologien optimieren die gesamte Wertschöpfungskette – vom Einkauf über die datenbasierte Produktion bis hin zu Qualitätssicherung, Rückverfolgbarkeit und Datenmanagement. Gleichzeitig zeigen neue Materialkonzepte, wie sich Recyclingfähigkeit und hohe technische Anforderungen an Barrierewirkung, Siegelbarkeit und mechanische Belastbarkeit vereinbaren lassen.
Die regulatorischen Vorgaben setzen dabei den Rahmen für marktfähige und zukunftssichere Lösungen. Entscheidend ist, Materialien, Maschinen- und Prozesstechnik sowie digitale Anwendungen konsequent aufeinander abzustimmen. Erst wenn alle Bausteine ineinandergreifen, entstehen Lösungen, die ökologische Anforderungen an Standbodenbeutel erfüllen, technisch überzeugen und sich wirtschaftlich fertigen lassen.

 

Foto: Innoform

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