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Quelle: MIV

Deutscher Milchmarkt unter schwierigen Rahmenbedingungen

Die Jahrestagung 2026 des Milchindustrie-Verbandes (MIV) fand am 22./23. Oktober in Dresden statt. In seinem Grußwort an die MIV-Mitglieder unterstrich der Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Georg-Ludwig von Breitenbuch, die strategische Bedeutung der Milchproduktion als Kernpfeiler der sächsischen und deutschen Ernährungswirtschaft.

Politische Rahmengesetzgebung auf Bundesebene schwierig
An die Bundespolitik gerichtet sagte der MIV-Vorsitzende Detlef Latka: „Damit die Milchwirtschaft auch in Zukunft eine starke Branche bleibt, braucht es weiteren Bürokratieabbau. Dieser finde unter Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer endlich statt, aber immer noch zu zögerlich.“ Insgesamt sei es dennoch schwierig, die Arbeit der Bundesregierung als gut zu bezeichnen. Das Beispiel Zuckergetränkesteuer spiegele die Uneinigkeit im Kabinett wider. In den Koalitionsvertrag wurde die Zuckersteuer aufgenommen, ein Antrag von Ministerpräsident Günther auf dem CDU-Parteitag abgelehnt. Dennoch schaffte es diese sogenannte Lenkungssteuer über das Gesundheits- und Finanzministerium in den Gesetzgebungsprozess bis in den Bundestag. Aber hier gilt das Struck’sche Gesetz: Kein Gesetz verlässt den Bundestag so, wie es hereingekommen ist. „Wir sind gespannt, was daraus folgt“, stellt der MIV-Vorsitzende fest und führt weiter aus: „Richtig und wichtig ist, dass Milch und Milchmischgetränke bei der Zuckersteuer draußen bleiben, sie gehören zu einer ausgewogenen Ernährung und sind Lieferant von Calcium und anderen wichtigen Nährstoffen.“

Umsetzung und Gestaltung muss besser und schneller werden
Der Prozess rundum die Zuckergetränkesteuer hat für sehr viel Unruhe gesorgt, sowohl in der Wirtschaft als auch unter den Koalitionsparteien. Dieser Prozess steht symbolisch dafür, dass die Abläufe in der Regierung aus Wirtschaftssicht verbesserungswürdig sind und zu lange dauern. Dies betrifft auch Baugenehmigungsvorhaben oder weitere Umsetzungen bei der Neugestaltung der Planungssicherheit für Investitionen zur Stärkung der Unternehmen. Und es droht mit der Plastiksteuer gleich der nächste Zankapfel, bei dem die Milchwirtschaft direkt betroffen sein könnte.

2026 bislang ein durchwachsenes Milchjahr
Gestartet ist die Milchbranche noch aus einem sehr guten Jahr 2025. So hatte Deutschland letztes Jahr die zweithöchste jemals erzeugte Milchmenge, auf das Jahr 2026 gesehen liegt die Anlieferung immer noch fast fünf Prozent über dem Vorjahreszeitraum und nähert sich der Vorjahreslinie an. Deutschland bleibt damit das wichtigste Land für Milchproduktion in Europa, ungeachtet des fortgesetzten Strukturwandels.

Letztes Jahr zahlten die deutschen Molkereien mit über 52 Cent pro Kilogramm den durchschnittlich zweithöchsten Milchpreis jemals. Seitdem sind die Milchpreise auf ein 5-Jahrestief (-25 Prozent) gefallen, temporär und regional wurde unter 30 Cent gezahlt. Zu hoch war die Milchanlieferung durch die Erzeuger. Im deutschlandweiten Durchschnitt stieg der Milchpreis erstmals in diesem Jahr im August wieder über die 41-Cent-Marke (41,14 Cent), bei steigender Tendenz.

Die Milchkuhzahlen hatten sich in der Maizählung noch gegen den langjährigen Abwärtstrend gestemmt, doch im Juli und August im Zusammenhang mit der Dürre in einigen Regionen kam es zu vermehrten Kuhschlachtungen. Die Zahl der Milcherzeuger sinkt seit Jahren auf mittlerweile unter 47.157 Milcherzeuger (Mai 2026, -1.492 ggü. Vorjahr), bei gleicher Kuhzahl von rund 3,6 Millionen.

Beim Konsum bleibt Käse stark nachgefragt
Die Marktlage war in diesem Jahr insgesamt durchwachsen für die Molkereien. Die Preise für Milchprodukte im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sind seit Monaten auf niedrigem Niveau. Der Absatz zeigt zwar gute Zahlen, Milchprodukte verkaufen sich nicht nur in Deutschland gut, besonders bei den proteinreichen Frischeprodukten, Magermilchpulver oder Molkenerzeugnissen.

Der Pro-Kopf-Verbrauch 2025 entwickelte sich unterschiedlich je nach Milchprodukt: Bei Konsummilch sank das Niveau im Vorjahresvergleich leicht (45,1 kg/Kopf; 2024: 46,1), wohingegen der Käsekonsum auf einen neuen Rekordwert von 26,4 kg/Kopf stieg. Der durchschnittliche Butterverbrauch (5,6 kg; 2024 5,5 kg) ist leicht gestiegen, nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Preise. Und auch für das Gesamtjahr 2026 zeigen die Zahlen, dass die Verbraucher mehr Milchprodukte kaufen als im Vorjahr. Weil aber Kosten für Treibstoff, Logistik und Verpackung nicht zuletzt durch den Irankonflikt nochmals enorm gestiegen und die Milchproduktpreise gesunken sind, braucht es dringend erhebliche Preisanhebungen.

Widerstandsfähigkeit der Molkereien auf gutem Weg
Ein wichtiges Thema für Unternehmen und Politik ist die Stärkung der Widerstandsfähigkeit der Unternehmen. In einem MIV-Pulscheck hat sich herauskristallisiert, dass 44 Prozent der antwortenden Unternehmen nach eigenen Angaben gut oder eher gut für einen Ausfall kritischer Lieferanten oder Rohstoffe vorbereitet sind sowie zwei Drittel die KRITIS- und NIS2-Vorgaben erfüllen, auch wenn nicht alle dazu verpflichtet sind. Fast 90 Prozent haben ein Notfallteam eingerichtet und rund 83 Prozent haben ein Notfall-IT-Konzept. Als wahrscheinlichste Bedrohung werden Cyberattacken, Energieknappheit und Tierseuchen gesehen.

Eines ist damit klar: Insbesondere die Unternehmen der Lebensmittelproduktion werden es nur mit der Politik gemeinsam schaffen, sich auf eine gute und sichere Basis zu stellen, um Bedrohungen jeder Art bestmöglich abzuwehren. Wir sind dazu bereit und wollen uns als Branche vorbereiten und stärken. Einen Input dazu haben die Referenten unserer diesjährigen Vortragsveranstaltung gegeben.

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