“Der Jahresrückblick für das Jahr 2025 fällt für die Milchindustrie positiv aus. Es hat Höhen und Tiefen gegeben, aber mehrheitlich sei das vergangene Jahr gut für die Milchwirtschaft gelaufen”, konstatierte Detlef Latka, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes und CEO der Hochwald Foods GmbH anlässlich des Milchpolitischen Frühschoppens im Rahmen der Internationalen Grünen Woche in Berlin. “Wir konnten auch 2025 wieder mit guten, hohen Jahresumsätzen abschließen, gleichwohl die Jahresendrallye eher mager ausfiel”, berichtete Detlef Latka.
Während die geringere Milchmenge in der ersten Jahreshälfte die Produktpreise steigen ließ, dreht sich das Blatt im Laufe der zweiten Jahreshälfte. Das Milchaufkommen sank viel schwächer als saisonbedingt erwartet, nicht nur in Deutschland und der EU sondern auch weltweit. Die EU-27 erzielten deswegen 2025 sogar das höchste Milchaufkommen innerhalb eines Kalenderjahres (schätzungsweise 148,1 Mio. t, +1,8 % höher als in 2024). In Deutschland wuchs das Milchaufkommen um ca. 1,1 %. Die global gestiegene Milchmenge setzte wiederum die Produktpreise unter Druck.
Gründe für die Verschiebung der Milchanlieferungskurve
Die Gründe für das erhöhte Milchaufkommen waren vielfältig. Der Vorjahresvergleichszeitraum war speziell in Deutschland, den Niederlanden und Belgien bedingt durch die Blauzungenkrankheit niedrig. Dies führte wiederum in 2025 zu verspäteten Kalbungen und somit einer Veränderung der sonst üblichen Milchanlieferungskurve, besonders im letzten Quartal. Zusätzlich war der Sommer für die Kühe optimal: wenige, nur kurze Hitzephasen ließen kaum Hitzestress aufkommen, zudem gab es weniger Kuhschlachtungen. Neben dem technischen Fortschritt, der die Milchanlieferung erhöhte, stand qualitativ hochwertiges Grundfutter in umfangreichen Mengen zu günstigen Preisen zur Verfügung. Auch die Preise für Zukauffuttermittel und Dünger waren niedrig.
Erwartungen für 2026
Detlef Latka: “Vergangenes Jahr war der Milchpreis lange rekordverdächtig, wahrscheinlich wird es der zweithöchste Milchpreis, den wir im Jahresdurchschnitt jemals an die Erzeuger gezahlt haben. Derzeit blicken wir mit Skepsis auf das noch junge Jahr 2026.” Für 2026 gehen wir von einem Rückgang der Milchmenge gegen Mitte des Jahres aus. Die Milchpreis sind bereits gefallen und spiegeln die Marktgegebenheiten verzögert wider. An den Spotmärkten und Notierungen in der EU und bei GDT gibt es dagegen erste Gegenbewegungen.
Strukturwandel
Erstmals seit 2014 haben die Statistiker wieder mehr Tiere gezählt als ein Jahr zuvor. Allerdings steigt aktuell der Schlachtpreis für Milchkühe, was die Abgabe von Kühen bei sinkenden Milchpreisen attraktiv machen und den Strukturwandel anfachen könnte. Gleichzeitig geht der Spitzenverband von einer Fortsetzung des Trends bei der Anbindehaltung aus. Während 2010 noch 27 Prozent der Milchkühe in Anbindehaltung gehalten wurden, ging dieser Anteil bis 2020 auf elf Prozent zurück. Damit standen vor sechs Jahren laut Thünen-Institut rund 417.000 Milchkühe in Anbindehaltung und 2026 werden es nochmal deutlich weniger sein.
Absatz uneinheitlich
Für den Export gab es schon bessere Vorzeichen. Der Euro ist stark, der Dollar schwach, zudem wirken sich Zölle in den USA und China ebenfalls auf den Export aus. Durch diese Zölle verschiebt sich auch der gesamte Welthandel, weil gewohnte Handelsströme sich verändern und somit die Exportprodukte stärker mit den Exportprodukten anderer Nationen konkurrieren müssen. Am internationalen Markt nimmt der Handel mit Milchprodukten zu, die Nachfrage hält aber nicht mit der gestiegenen Angebotsmenge Schritt. In der Folge haben die EU und Deutschland beim Handel mit Käse, Butter und Vollmilchpulver an Bedeutung verloren, nur Magermilchpulver konnte zulegen. “Die Weltmarktsituation ist im Ganzen eher als unstet zu bezeichnen. Wir hoffen, dass sich 2026 die hohe Qualität der deutschen Milchprodukte auf dem Markt unter den neuen Bedingungen behaupten können”, sagte Detlef Latka.
Milchprodukte im Einzelnen
Während Butter noch zu Jahresanfang mit höheren Produktpreisen startete, erlebte der Verbraucher am Jahresende einen noch nie dagewesenen Wettbewerb um den am schnellsten sinkenden Butterpreis im LEH. Insgesamt gingen in der zweiten Jahreshälfte bzw. dem letzten Quartal die Preise für Milchprodukte wie auch Trinkmilch nach unten und entlastete damit das Haushaltsbudget der Verbraucher. Beim Absatz hielt der positive Trend bei Käse an, fiel aber schwächer aus als im Vorjahr.
Bei den alternativen Milchprodukten sind die Käse- und Joghurtvarianten unbedeutend, einzig die alternativen Drinks erreichen rund 13 % von der gesamten Konsummilchmenge, sind hier aber weit von den Wachstumsraten der Vergangenheit entfernt.
Belastungen für die Branchen sind Kosten und Bürokratie
Auch letztes Jahr sind die Kosten nicht nur für die Landwirtschaft und Milchindustrie gestiegen. Das lag insbesondere auch an hohen Energiekosten im internationalen Vergleich, die 2025 für die Unternehmen nicht auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesunken sind. Zudem hat die Inflation die Preise insgesamt erhöht. Der bürokratische Aufwand ist vielfach zu hoch, auch wenn zu sehen ist, dass sich unter dieser Regierung zum ersten Mal ein Trend erkennen lässt, dass Bürokratie tatsächlich abgebaut wird. Wir würden uns nur mehr Tempo wünschen.
Milchwirtschaft braucht bessere Gesetze
Latka: “Seit Jahren diskutieren wir mit zum Art. 148 der GMO, die EUDR wird immer wieder verschoben, aber nur zögerlich praktikabel gestaltet, das Einwegkunststofffondsgesetz (EWKFondsG) bringt nach wie vor viele Branchen in Missstimmung. Zu Tierwohl, Tierhaltung und Kennzeichnung warten die Beteiligten auf umsetzbare Lösungen. 2026 wird alles andere als ein leichtes Jahr werden für die Milchwirtschaft. Dennoch sind wir als Milchwirtschaft davon überzeugt, dass sich unsere hohe Qualität am in- und ausländischen Markt durchsetzen wird und wir auch Ende 2026 auf ein erfolgreich gestaltetes Jahr zurückblicken können.”