Die Ökonomen des Kronberger Kreises (u. a. Lars Feld, Clemens Fuest, Justus Haucap und Volker Wieland) üben fundamentale Ordnungspolitik-Kritik an der aktuellen Ausrichtung der EU-Agrarpolitik und plädieren für einen kompletten Ausstieg der EU aus den Agrarbeihilfen. Sie begründen ihre Forderungen wie folgt:
- Fehlendes Marktversagen: Laut den Autoren gibt es „keine überzeugende ökonomische Rechtfertigung“ für die massiven staatlichen Eingriffe. Es existiere kein echtes Marktversagen, das pauschale Hilfen rechtfertigt.
- Geringe wirtschaftliche Relevanz: Die Landwirtschaft trägt in Deutschland weniger als 1 % zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei, erhält aber jährlich über 10 Milliarden Euro an Subventionen von EU, Bund und Ländern.
- Falsche Profiteure: Die Gelder kommen oft gar nicht direkt bei den aktiven Höfen an. Die pauschalen Flächenprämien verzerren den Markt und fließen stattdessen direkt in steigende Pacht- und Bodenpreise. Nutznießer seien demnach vor allem große Landbesitzer.
- Kein Argument der Ernährungssicherheit: Die Forscher betonen, dass Versorgungssicherheit primär durch offene Weltmärkte und resilienten Freihandel gesichert wird, nicht durch Abschottung und staatliche Alimentierung. Protektionistische Agrarinteressen blockieren zudem regelmäßig wichtige Freihandelsabkommen
Der Kronberger Kreis empfiehlt vier zentrale Reformschritte:
- Agrarsubventionen abbauen: Nationale Förderprogramme beenden und die europäischen Direktzahlungen im Zuge der Neuordnung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auslaufen lassen.
- Wettbewerbsrechtliche Sonderregeln abschaffen: Für die Landwirtschaft sollen grundsätzlich dieselben Regeln gelten wie für andere Wirtschaftsbereiche.
- Bürokratie reduzieren: Agrarspezifische Vorschriften und administrative Anforderungen auf das notwendige Maß zurückführen.
- Umweltprobleme gezielt angehen: Pauschale Förderung durch wirksame, möglichst verursachergerechte Instrumente ersetzen.