Unternehmen
Quelle: AMV e.V.

Margen schwinden, Investitionen geraten unter Druck

 

In zwei getrennten Befragungen von Unternehmen der Ernährungsindustrie aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg meldet jeweils jeder zweite Betrieb eine verschlechterte Ergebnislage.

AMV und pro agro stellten die Zahlen heute beim 9. Norddeutschen Ernährungsgipfel in Rostock-Warnemünde vor. Insgesamt beteiligten sich 164 Unternehmen: 68 in Mecklenburg-Vorpommern und 96 in Brandenburg. Die Erhebungen sind nicht repräsentativ und methodisch nicht unmittelbar vergleichbar. Ihre übereinstimmende Richtung ist dennoch eindeutig: Steigende Kosten, begrenzte Möglichkeiten zur Preisanpassung und eine schwächere Nachfrage verringern die finanziellen Spielräume der Hersteller.

Sinkende Ergebnisse führen zunächst zu verschobenen Investitionen. Den Betrieben fehlen dann moderne Anlagen, Automatisierung und Maßnahmen zur Energieeffizienz. Folgt Personalabbau oder schließt ein Standort, verlieren landwirtschaftliche Erzeuger und Zulieferer Abnehmer. Dem Handel fehlen regionale Sortimente, Kommunen verlieren industrielle Arbeitsplätze. Weniger regionale Verarbeitung kann zudem längere Lieferwege und eine stärkere Marktkonzentration zur Folge haben. Der Kostendruck fällt in eine Phase zusätzlicher Umstellungen. Verpackungsverordnung, EmpCo, Entwaldungsverordnung, NIS2 und Tierhaltungskennzeichnung beanspruchen parallel Personal und Kapital. Zum 1. Januar 2027 steigt außerdem der gesetzliche Mindestlohn von 13,90 auf 14,60 Euro je Stunde. AMV und pro agro hatten deshalb bereits Anfang September eine kumulative Belastungsprüfung gefordert.

Sechs aktuelle Forderungen von AMV und pro agro

•             Vor neuen Gesetzen eine kumulative Belastungsprüfung durchführen, die Kosten, Personalbedarf und Fristen für kleine und mittlere Lebensmittelhersteller realistisch abbildet.

•             Für PPWR, EmpCo, EUDR, NIS2 und Tierhaltungskennzeichnung einen abgestimmten Umsetzungsfahrplan mit verständlichen Vollzugshinweisen vorlegen.

•             Doppelte Nachweise vermeiden und bereits vorhandene Unternehmensdaten zwischen zuständigen Stellen nutzbar machen.

•             Überprüfbare regionale Herkunftsangaben rechtlich absichern und Unternehmen frühzeitig vor Abmahn- und Haftungsrisiken schützen.

•             Neue Steuern oder Abgaben nur nach transparenter Folgenabschätzung und mit ausreichenden Übergangsfristen einführen.

•             Bei kleineren regionalen Produzenten und Vermarktern prüfen, ob die Umsetzung aller Verordnungen sinnvoll ist, und dort Ausnahmen vorsehen, wo sie nicht der Intention der Regelungen dient.

 

 

Der AMV ist das Branchennetzwerk der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Er verbindet Hersteller, Handel, Dienstleister, Wissenschaft und Politik und unterstützt Marktzugang, Absatzförderung, Kooperation und Wissenstransfer.

Der Verband pro agro engagiert sich seit fast 35 Jahren für die Vernetzung und Vermarktung von Brandenburger Angeboten und Dienstleistungen aus den Bereichen Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie Land- und Naturtourismus.

 

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