Milchproteine haben in den letzten Jahren in den täglichen Einkaufskörben der Verbraucher zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Beliebtheit macht sich über die gesamte Lebensmittelkette bemerkbar. Laut DCA Market Intelligence liegen die Preise für proteinreiche Milchzutaten wie Milchpulver und Molkenpulver deutlich höher als noch vor einem Jahr.
DCA Market Intelligence erstellt wöchentlich 36 Preisbewertungen für eine breite Palette von Milchprodukten auf dem europäischen Markt, darunter Butter, Sahne, Käse, Mozzarella, Milchpulver und andere Milchzutaten.
Der DCA-Referenzpreis für Magermilchpulver in Nordwesteuropa ist auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen. Seit dem Sommer ist der Preis um rund 25 % gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr liegt er nun um mehr als 40 % höher. Auch die Preise für Molkenpulver sind stark gestiegen. Je nachdem, ob das Produkt für Lebensmittel oder Tierfutter bestimmt ist, liegen die DCA-Richtwerte derzeit etwa 59 % bis 94 % über dem Vorjahresniveau. Der Protein-Trend ist nicht der einzige Faktor, der hinter den derzeit hohen Preisen steht, trägt jedoch zur Nachfrage nach Milchproteinen in einem Markt bei, in dem das verfügbare Angebot ohnehin schon relativ knapp ist.
Breite Nachfrage nach Milchpulver
Die Nachfrage nach Magermilchpulver ist derzeit sowohl in Europa als auch auf den Exportmärkten stark, so Wouter Baan, Milchmarktexperte bei DCA Market Intelligence. „Gleichzeitig ist relativ wenig Produkt sofort verfügbar. Dabei spielt die Saisonalität eine Rolle. Die Milchproduktion in Europa geht zu dieser Jahreszeit normalerweise zurück, was bedeutet, dass weniger Frischmilch für die Verarbeitung zur Verfügung steht.“
Zudem sind nach der ruhigeren Sommerperiode wieder mehr Käufer auf den Markt zurückgekehrt. Gleichzeitig bleiben die Hersteller bei der Bereitstellung großer Mengen weiterhin zurückhaltend. Infolgedessen werden die verfügbaren Mengen schnell vom Markt aufgenommen.
Baan verweist zudem auf die hohen Preise für Milchpulver und Molkepulver, die in Tierfutter verwendet werden. „Normalerweise liegen die Preise für Futtermittel unter denen für Pulver, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist. In Woche 37 war dieser Preisunterschied fast verschwunden. Das zeigt, wie breit und stark die Nachfrage nach verfügbaren proteinreichen Zutaten ist.“ Ein ähnliches Muster ist bei Molkenpulver zu beobachten.
Auch Molke ist stark gefragt
Der Zusammenhang mit dem aktuellen Protein-Trend zeigt sich besonders deutlich bei Molke. Herkömmliche Molke lässt sich zu Proteinkonzentraten mit einem deutlich höheren Proteingehalt weiterverarbeiten. Diese hochwertigen Inhaltsstoffe finden breite Anwendung in der Sporternährung sowie in Produkten, denen Hersteller zusätzliches Protein hinzufügen möchten.
Die Preise für diese konzentrierten Proteine liegen auf einem ganz anderen Niveau als die für Standard-Molkenpulver. Der DCA-Referenzpreis für WPC80, ein Produkt mit einem Proteingehalt von rund 80 %, lag in Woche 38 bei 23.250 Euro pro Tonne. WPI90, das einen noch höheren Proteingehalt aufweist, wurde mit 28.835 Euro pro Tonne notiert.
Nach starken Anstiegen zu Beginn dieses Jahres sind diese Preise in den letzten Wochen gesunken. Angesichts dieser hohen Preisniveaus werden die Käufer wählerischer, und auch die Lebensmittelhersteller prüfen alternative Proteinquellen genauer.