Markt
Quelle: VMB

Aktueller VMB-Marktkommentar

Keine großen Änderungen gab es zur Jahresmitte bei den Endverbraucherpreisen (EVP) der “weißen Linie”, die in der Regel halbjährlich zwischen Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verhandelt werden. Aus Erzeugersicht wären natürlich angesichts der massiv gestiegenen Kosten auf den Betrieben Preisanhebungen für die bis Ende 2026 laufende Kontraktperiode dringend notwendig gewesen. Aber angesichts der weiter bestehenden Marktsituation mit überdurchschnittlich hohen Milchanlieferungen und ebenso gestiegenen Kosten bei der Verarbeitung ist das Ergebnis nachvollziehbar. Gerade bei der Trinkmilch standen von einzelnen Händlern Forderungen nach Preisreduzierungen gegenüber abgebenden Molkereien im Raum.

Unverändert blieben somit beim EVP die Niveaus für Vollmilch (ESL, H-Milch) der Eigenmarken des Handels bei 95 Cent/Liter, für die fettarme Variante stehen unverändert 85 Cent/Liter auf der Preistafel. Auch die Eigenmarken bei Biomilch sind unverändert geblieben. Mitte Juni erfolgte ausgehend von Aldi lediglich eine Preisanhebung bei Quark und Skyr um 20 Cent auf jetzt 1,19 Euro für 500 g Magerquark sowie  um 10 Cent bei Quark der Vollfettstufe (40 Prozent) von 69 Cent auf jetzt 79 Cent beim 250 g Gebinde. Ebenfalls angepasst wurden die Preise einiger Eigenmarkenprodukte von Skyr. Diese Aufschläge dürften aber eher als ” “Mitnahmeeffekt” des LEH als eine Erhöhung der Abgabepreise der Molkereien zu  werten sein. Denn: Angesichts des gegenwärtigen “Protein-Hypes” scheint der Verbraucher bei diesem Segment eine Preisanpassung problemlos zu “schlucken”.

Auffällig aber in den vergangenen Monaten: Die hohe Frequenz von Rabattaktionen beim Segment Trinkmilch. Bei Markenartiklern ist dies als gängiges Vermarktungssegment bekannt, wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstanden und angesichts der hohen Milchmengen auch betriebswirtschaftlich durchaus nachvollziehbar: Eine höhere Frequenz an Wochenrabatten rechnet sich an mancher Stelle mehr als der Verkauf von Rohmilch über den Spotmarkt. Allerdings stellt sich schon die Frage, “wie tief” die Rabatte angesetzt werden dürfen, um Wertschätzung und Wertschöpfung gerade bei der Trinkmilch nicht vollends zu opfern. .In dieser Woche fallen hier die 40 Prozent Preisreduktion bei Lidl für H-Vollmilch und auch für die fettarme Variante (beide für nur 88 Cent!)  der ehemals in Bayern beheimateten Bärenmarke ins Auge.

Besonders ärgerlich ist aber die Vorgehensweise bei der sog. “Tierwohlmilch: Bekanntlich erfolgte die Umstellung der Eigenmarken beim Segment Trinkmilch seit Oktober 2022 ohne Mehrpreis für die Verbraucherschaft. Haltungsformstufe 3 ist mittlerweile im Preiseinstiegssortiment der LEH-Eigenmarken der Standard. Und auch der aktuelle EVP (95 resp. 85 Cent/Liter, siehe oben) scheint noch nicht tief genug zu sein, um die Nachfrage am Laufen zu halten. Letzte Woche waren bei Edeka die Eigenmarken “gut & günstig” der ESL-Variante für 69 Cent/Liter  zu haben. Diese Woche kostet bei Netto als sog. “Samstagkracher” der 12er Pack Vollmilch, Haltungsstufe 3, umgerechnet nur 75 Cent. Eine gefährliche Entwicklung, denn irgendjemand muss ja die von den Milcherzeugern geforderte kostenintensive Verbesserung des Tierwohls bezahlen. Wer sonst, als die Verbraucherschaft?

 

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