Markt
Quelle: Ornua

Preisanhebungen im zweiten Halbjahr?

Der irische genossenschaftliche Molkereikonzern Ornua warnt in seinem jüngsten globalen Marktbericht vor erheblichen klimatischen Risiken, die die weltweite Milchproduktion und die Stabilität europäischer Agrarrohstoffmärkte bedrohen. Besonders im Fokus stehen die anhaltenden Hitzeperioden in Europa sowie die steigende Wahrscheinlichkeit eines sogenannten „Super-El Niño“, der in den kommenden Produktionszyklen deutliche Auswirkungen auf zentrale Exportregionen haben könnte.

Die europäischen Hitzeextreme belasten die Milchkuhbestände in mehreren EU-Mitgliedstaaten und könnten die derzeit positive Produktionsdynamik bremsen. Parallel dazu würde ein Super-El Niño vor allem Neuseeland und den Süden der USA treffen – Regionen, deren milchbasierte Exportvolumina stark von klimatischen Bedingungen abhängen. Trotz dieser Risiken zeigt die globale Milchproduktion aktuell jedoch noch keine drastischen Einbrüche: Im Mai stiegen die weltweiten Sammelmengen um rund 2,5 %, getragen von soliden Ergebnissen in den meisten großen Milchregionen.

In Europa verzeichneten die EU‑27 im April ein Produktionsplus von 2,8 %, im Mai wird ein weiterer Anstieg von 2,7 % erwartet. Besonders stark wuchsen Deutschland (+6,3 %), Polen (+3,8 %) und die Niederlande (+2,6 %). Ein Gegenpol bildet Irland, wo die Produktion im April um 3,5 % zurückging – bedingt durch eine hohe Ausgangsbasis und begrenzte Erholungsaussichten.

Trotz der stabilen globalen Versorgungslage sieht Ornua kurzfristig Preisrisiken: Die Kombination aus saisonal schwächerer Nachfrage im Sommer, Ferienzeit und einem aktuellen Angebotsüberschuss könnte im Juli und August zu weiteren Preisrückgängen bei wichtigen Produkten wie Käse, Butter und Magermilchpulver führen. Entsprechend seien deutliche Preissteigerungen im zweiten Halbjahr unwahrscheinlich.

Auf der Nachfrageseite zeigen internationale Handelsdaten für die ersten vier Monate des Jahres ein kräftiges Plus von 7 % im globalen Milchhandel. Ornua warnt jedoch, dass dieses Wachstum möglicherweise auf vorgezogene Bestellungen zurückzuführen ist, die nicht unbedingt eine langfristige Nachfrageerhöhung widerspiegeln. Gleichzeitig verlieren europäische Exporteure Marktanteile an die USA, während Verbraucher weltweit unter hohen Lebenshaltungskosten leiden und vorsichtiger einkaufen.

 

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