Fachthema
Quelle: Milch-Marketing 2-2026

Bio im Aufwind

Bio im Aufwind

 Nach einer Phase der Stagnation zeigt der Bio-Markt wieder Wachstumssignale, getragen von steigender Nachfrage im Handel. Gleichzeitig verschärft sich bei Bio-Milch ein struktureller Engpass, da hohe Kosten und unzureichende Anreize die Ausweitung der ökologischen Erzeugung bremsen.

Die zurückliegenden Jahre waren für die Bio-Branche keine einfachen. Nach einer Phase hoher Aufmerksamkeit und dynamischer Nachfrage sah sich der Markt mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert: Steigende Lebenshaltungskosten, eine spürbare Kaufzurückhaltung der Verbraucher und ein insgesamt angespanntes Konsumklima bremsten zeitweise die Entwicklung von Bio-Produkten. Inzwischen mehren sich jedoch die Anzeichen für eine Trendwende. Mehrere Marktindikatoren deuten darauf hin, dass Bio wieder an Fahrt gewinnt. Zu diesem Ergebnis kommt auch ein aktuelles Whitepaper der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, das festhält: „Nach Jahren einer eher durchwachsenen Entwicklung im Bio-Markt zeigen die Indikatoren 2025 für Bio wieder klar auf Wachstum.“ Die Marktforscher von NielsenIQ vermelden, dass Bio-Produkte aktuell doppelt so schnell wachsen wie der gesamte Lebensmitteleinzelhandel. Besonders dynamisch wächst Bio im Drogeriemarkt: Mit einem Umsatzplus von 20,8 Prozent zählt dieser Kanal zu den stärksten Treibern. Dafür sorgt eine gezielte Sortimentserweiterung: Drogeriemärkte haben ihr Bio-Sortiment im Vergleich zum Vorjahr um fast zehn Prozent erweitert. Das führt dazu, dass 9,3 Prozent mehr Haushalte ihre Bio-Produkte in diesem Kanal einkaufen. Damit festigen Drogeriemärkte ganz ohne Rabattschlachten ihre Rolle als wichtige Anlaufstelle für den regelmäßigen Bio-Einkauf. Während Promotionen im klassischen Lebensmitteleinzelhandel zunehmen, ist der Bio-Anteil im Aktionsangebot der Drogerien von 23,6 Prozent im Vorjahr auf 18,5 Prozent gesunken. Bio wächst hier also weniger über Preisaktionen, sondern vor allem über Verfügbarkeit und Sortiment. Was im Einkaufskorb landet, ist dabei breit gefächert. Trockenfertigprodukte wachsen um knapp 60 Millionen Euro, die Weiße Linie um 38 Millionen Euro. Eigenmarken treiben das Bio-Wachstum stark voran. Sie legen um 13,3 Prozent zu, während Markenprodukte mit 7,5 Prozent deutlich langsamer wachsen. Und der Bio-Fachhandel? Der zeigt sich stabil, stellt Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. fest. „Während Bio immer breiter verfügbar ist, schätzen Kunden weiterhin die Qualität, die Regionalität und das differenzierte Sortiment der Bio-Läden und Bio-Supermärkte.“

Richtet sich der Blick auf Milch und Molkereiprodukte, rückt vor allem der Rohstoff Bio-Milch in den Fokus.

d damit ein Markt, der derzeit von Knappheit geprägt ist. Während die Nachfrage nach Bio-Milchprodukten wieder anzieht, gerät die Versorgung zunehmend unter Druck. Ein zentrales Warnsignal liefert der von der MEG Milch Board Ende vergangenen Jahres veröffentlichte Bio-Milch-Markt-Index 2025: Die Kosten für die Erzeugung von Bio-Milch steigen weiter, während die Auszahlungspreise nicht ausreichend nachziehen. Besonders alarmierend ist nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden Frank Lenz die prognostizierte Unterdeckung von 17 Prozent im Wirtschaftsjahr 2024/25. Diese Entwicklung konnten auch die zuletzt vergleichsweise guten Auszahlungspreise lediglich abmildern. Für Lenz ist die Ursache klar: „Der Bio-Milchpreis mit der gegebenen Kostenstruktur lässt für einen unternehmerisch handelnden Milcherzeuger keine Umstellung auf den ökologischen Landbau zu. Demzufolge sind – unter anderem zusätzlich bedingt durch die Weidepflicht – Rückumstellungen oder gar Betriebsaufgaben zu verzeichnen.“ Lenz fordert deshalb, dass sich die Milchauszahlungspreise proportional zu den betriebswirtschaftlichen Erfordernissen entwickeln müssen und dem Produkt Bio-Milch viel mehr Wertschätzung gebührt. „Im Moment werden Bio-Milch und Bio-Milchprodukte jedoch im Handel zu erschreckend niedrigen Preisen angeboten. ‚Bio‘ und ‚Discount‘ passen nicht zueinander!“

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